Batteriewechsel: Tauschen statt einstecken

20.12.2023

#nutzermeinung


Ein Batteriewechsel ist bei einem E-Auto deutlich schneller, als das Anstecken eines Ladekabels. Ein Unternehmen aus den USA und eins aus China versuchen es mit Batteriewechselstationen, die in unter fünf Minuten einen vollen Akkus ins E-Auto einsetzen.

 

Der Fiat 500 ist in seiner elektrischen Version extrem beliebt. Alle lieben den kleinen italienischen Flitzer. Vermutlich wählte Hersteller Stellantis darum den Fiat als Testwagen für das Tauschprogramm im Madrid. Im Laufe des Jahres 2024 wird das US-Unternehmen Ample seine Batteriewechselstationen in der spanischen Hauptstadt aufstellen. Laut Unternehmensangaben benötigt man dank der modularen Bauweise dafür nur drei Tage. Dann kann fährt ein Fiat 500 in die Station und innerhalb von fünf Minuten wird die leere Batterie von einem Roboterarm aus dem Fahrzeugboden entnommen und durch eine vollgeladene Batterie ersetzt. Der Fahrer kann seine Fahrt direkt fortsetzen.


Stellantis will die Technik mit einhundert Fiat 500, die Teil der Carsharing-Flotte von „Free2Move“ sind, ausprobieren. Die Vorteile liegen auf der Hand: Weniger Ladezeit, keine Reichweitenangst und keine Sorge in Sachen Batterieverschleiß. Der Fahrer erhält mit jedem Tauschvorgang eine getestete und voll funktionstüchige Batterie.

 

30 Millionen Batteriewechsel

Während es bei Stellantis und Ample noch Zukunftspläne sind, hat der chinesische Autohersteller Nio bereits viel Erfahrung mit dem System. Weltweit arbeiten schon über 2.000 Wechselstationen, in denen bis heute über 30 Millionen vollautomatische Batteriewechsel stattfanden. In Deutschland gibt es erst acht Stationen und in ganz Europa sind es 30. Doch der Ausbau geht zügig voran. Nio kooperiert mit anderen Ladeanbietern und wird seine Tauschstationen an deren Stationen errichten. Auch hier dauert der Wechsel einer 75 kWh-Batterie weniger als fünf Minuten. Bereits bei der Abfahrt daheim zeigt der Bildschirm im Fahrzeug, wie viele geladenen Batterien an der Station verfügbar sind und wie viele Kunden dort warten. Wer eine 75 kWh-Batterie gemietet hat, kann für den Urlaub auf eine 100 kWh-Batterie für mehr Reichweite wechseln. Nio hat bereits eine 150 kWh-Batterie angekündigt. Auch zukünftige Batterietechniken wie beispielsweise Festkörperbatterien passen ins Fahrzeug, wenn das Format für alle Modelle identisch bleibt.


Nio Batterie-Wechselstation

Nio Batteriewechselstation mit einem Nio ET 5 beim Seed & Greet-Ladepark in Hilden (NRW)

 

Andere Hersteller springen auf

Inzwischen haben die Autohersteller Changan und Geely Verträge mit Nio geschlossen, um gemeinsam die Technik weiterzuentwickeln. Changan ist Chinas viertgrößter Autohersteller. Zum Geely-Konzern gehören Marken wie Lotus, Zeekr, Polestar und Volvo. Zudem ist Geely einer der größten Investoren der Mercedes-Benz AG. Das Interesse an der Technik ist also groß. Kritiker wenden ein, dass private E-Autofahrer die Ladepause nutzen, um etwas zu essen, sich zu bewegen und die Toilette aufzusuchen. Mit weiter steigenden Ladeleistungen, sinkt die Zeit eines Ladestopps am Kabel.

 

Energiespeicher für überschüssige Energie

Daher könnte die Wechseltechnik vor allem etwas für Autos sein, die tagsüber keine Zeit haben, nachgeladen zu werden: Carsharing, Taxen und Lieferfahrzeuge. Natürlich ist die Wechseltechnik teuer und damit auch der Ladestopp. Aktuell sind die Wechsel bei Nio in der Monatsmiete inklusive. Das ändert sich ab April 2024: Ab dann sind zwei Batteriewechsel in der Monatsmiete enthalten. Weitere Batteriewechsel kosten dann jeweils zehn Euro plus die Energiekosten. Nio hat einen günstigen Tarif ausgehandelt und stellt 0,39 Euro pro Kilowattstunde in Rechnung.


Nio nutzt seine Wechselstationen allerdings auch, um Geld zu verdienen. Die Stationen sind Energiespeicher. Insgesamt passen 13 Batterien in eine Wechselstation. Ist überschüssige Energie aus Sonne und Wind im Netz, agieren die Batterien als Puffer. Später geben sie die Energie wieder ans Netz ab. Für diese Dienstleistung wird Nio von den Netzbetreibern entlohnt.

 

Viele müssen tauschen

Eine Batteriewechsel-Station benötigt keinen Anschluss ans Mittelspannungsnetz. Die Batterien werden langsam und schonend geladen, um ihre Lebensdauer zu erhöhen. Nio sieht in seinem Backend, wie viele volle Batterien pro Tag benötigt werden. Die Ladeleistung kann entsprechend für jeden Standort gesteuert werden. Das Ladenetz für nur eine Automarke aufzubauen ist ein extrem teures Unterfangen. Die Kooperation mit anderen Herstellern, die ebenfalls auf das gleiche Batterieformat setzen, ist der richtige Weg. So könnte der Akkutausch für Anbieter als auch E-Autofahrer zu einer attraktiven Option werden.

3 Kommentare
2023-12-22T15:00:15Z
Freitag, 22.12.2023 um 16:00 Uhr
Wow, das klingt total spannend! Ich glaube, der Batteriewechsel könnte wirklich Zukunft haben - ich wäre begeistert! 🤩
2024-01-02T13:12:30Z
Dienstag, 02.01.2024 um 14:12 Uhr
"Kritiker wenden ein, dass private E-Autofahrer die Ladepause nutzen, um etwas zu essen, sich zu bewegen und die Toilette aufzusuchen. Mit weiter steigenden Ladeleistungen, sinkt die Zeit eines Ladestopps am Kabel."


Warum das ein Problem sein soll, leuchtet mir nicht ein.


Ich frag mich viel mehr, welche Umweltauswirkungen das hat, wenn man ganz viele zusätzliche Batterien produziert um sie ständig zu wechseln, anstatt die Lebensdauer von einer einigen auszureizen

2024-01-02T15:14:42Z
Dienstag, 02.01.2024 um 16:14 Uhr
Hallo Tech-Nerd,

meine Situationsbeschreibung ist kein Problem, sondern ein wirtschaftliches Gegenargument für den Batteriewechsel. 

Wenn die Leute an der Autobahnraststätte eh 20 Min für Pinkel- und Futter-Pause bleiben, dann hat die Stecker-Lösung die Nase vorn, zumal bei steigenden Ladeleistungen. Warum soll ich innerhalb von 5 Min. die Batterie wechseln, wenn ich 20 Min. an der Station bin? Dazu ist die Technik einfach zu teuer in Aufbau und Betrieb.


In Sachenbatteriegesund sehe ich die Vorteile eher beim Batteriewechsel. Wie oft testet ein E-Auto-Besitzer den Zustand seiner Batterie? Vermutlich nie. Das passiert nur bei einem Besitzerwechsel. In der Wechselstation wird dagegen jede reinkommende Batterie untersucht. Alle Batterien im System stehen unter konstanter Kontrolle und werden in der Station schonend geladen.

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