Harzwasserwerke und E.ON pumpen Wasser für die Energiewende

12.03.13

Der Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland schreitet durch die Energiewende voran.

Die Erneuerbaren stehen jedoch nur schwankend zur Verfügung. An sonnen- und windreichen Tagen produzieren sie teilweise mehr Strom als gerade verbraucht wird. Scheint die Sonne nicht und weht kein Wind, steht wenig Strom aus Erneuerbare Energien zur Verfügung. Die Schwankungen müssen ausgeglichen werden. Das stellt eine Herausforderung für die Netzbetreiber dar. Die Talsperren der Harzwasserwerke GmbH können einen wichtigen Beitrag für den Ausgleich der Schwankungen leisten. In Zusammenarbeit mit dem Energieversorger E.ON befördern die Pumpen das Wasser von der Innerstetalsperre dann in die Granetalsperre, wenn zu viel Strom im Netz ist.

Mit einem Speichervolumen von 46,4 Millionen Kubikmetern Wasser ist die Granetalsperre die zweitgrößte Talsperre im Westharz und versorgt Kunden in Hildesheim/Hannover und Braunschweig/Wolfsburg mit frischem Trinkwasser. Südwestlich von Goslar gelegen, ist sie Teil des Nordharzverbundsystems, zu dem neben der Grane- und der Innerstetalsperre auch die Okertalsperre sowie Beileitungen aus Radau, Gose und Wintertalbach gehören. Um die Trinkwasserversorgung aus dem Harz zu gewährleisten, befördern Pumpen Wasser von der Innerstetalsperre in die Granetalsperre. Der Pumpbetrieb benötigt natürlich Strom. Ob im Netz gerade zu viel oder zu wenig Strom herrscht, spielt keine Rolle – noch nicht. In Zukunft unterstützen die Harzwasserwerke mit der Pumpleistung der Granetalsperre die Stabilität des Energiesystems. Ist der aktuelle Verbrauch im Netz geringer als die Erzeugung, startet automatisch die Überleitpumpe an der Innerste und pumpt kräftig Wasser in die Granetalsperre, um das Netz durch zusätzlichen Stromverbrauch wieder auszugleichen. „Energie flexibel zu verbrauchen, wenn Erneuerbare zur Verfügung stehen, ist ein wichtiger Baustein für die Integration der Erneuerbaren Energie in die Energieversorgung von morgen. Hier geht die Harzregion mit gutem Beispiel voran und leistet einen entscheidenden Beitrag zur Energiewende“, sagt Thomas Nevermann, Geschäftsführer der E.ON Avacon Vertrieb GmbH.

Der Anstoß für diese Zusammenarbeit kam vom Energieversorger E.ON, beide Unternehmen verbindet bereits eine langfristige Lieferbeziehung. Als Energiemanager kennt E.ON beide Seiten: die Sorgen um die Stabilität der Energienetze sowie das Interesse der Kunden, durch Flexibilisierung ihres Strombedarfs finanzielle Vorteile zu erzielen. Die Harzwasserwerke entscheiden dabei, in welchem Zeitraum die Kapazitäten zur Verfügung gestellt werden. Für die Bereithaltung bekommen die Hildesheimer einen Leistungspreis bezahlt. E.ON vermarktet die Kapazitäten am Regelenergiemarkt der Übertragungsnetzbetreiber. Je nach Regelenergiebedarf schaltet der Übertragungsnetzbetreiber dann die Anlagen zu. Erhalten die Harzwasserwerke den Aufruf vom Übertragungsnetzbetreiber, bekommt das Unternehmen zusätzlich den Arbeitspreis bezahlt, den es angeboten hat. „Der finanzielle Vorteil bei gleichbleibender Souveränität unserer Anlagen und Aufgaben der Trinkwasserversorgung des Hochwasserschutzes und der Niedrigwasseraufhöhung ist für uns natürlich ein großer Anreiz. Darüber hinaus möchten wir einen Beitrag leisten, dass Energieverbrauch und -erzeugung besser aufeinander abgestimmt werden“, sagt Guido Ammann, Leiter Elektrische Anlagen und Automatisierungstechnik bei den Harzwasserwerken.

Die technischen Veränderungen bei den Harzwasserwerken waren minimal. Eine von E.ON über den Technikpartner Entelios installierte Kommunikations-Box bildet die Schnittstelle zu der Fernwirkanlage der Harzwasserwerke mit den dezentral zu steuernden Anlagen und überträgt Messdaten, Statusmeldungen und Schaltbefehle. Über die Box wird das Signal der Übertragungsnetzbetreiber in das Fernwirksystem der Harzwasserwerke geleitet. Die Pumpe an der Innerstetalsperre wird voll automatisch vom Übertragungsnetzbetreiber an- und ausgeschaltet, wenn ins Netz momentan zu viel oder zu wenig Strom eingespeist wird.

„Momentan stehen wir kurz vor dem Ende der Testphase, die Signalübertragung funktioniert bereits einwandfrei“, sagt Harms Bartölke von E.ON. Nur noch wenige Aufgaben sind zu bewältigen, dann befördern die Pumpen erstmals das Wasser der Innerste- in die Granetalsperre, wenn im Netz die schwankende Einspeisung der Regenerativen Energien ausgeglichen werden muss. Das Nordharzverbundsystem der Harzwasserwerke leistet damit ihren Beitrag zur Energiewende.

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