Energiegewinnung aus erneuerbaren Ressourcen wie Sonne und Wind ist in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Nicht erst seit der Energiewende sind Windanlagen ein wichtiger Bestandteil bei der Produktion von Ökostrom. Bis 2050 hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, Energie aus bis zu 80 Prozent erneuerbaren Energien zu erzeugen.

Allerdings wurde bisher überschüssiger Strom aus der Energiegewinnung mit Wind und Sonne kaum genutzt. Es gibt aber eine zukunftsträchtige Lösung für die Energiewende: Mit der Windgas-Technologie kann überschüssige Energie aus Windkraft gespeichert werden. Auf diese Weise kann Wind- und Solarenergie sogar für den Wärmemarkt genutzt werden. Das macht die Technologie zu einem echten Problemlöser.

Was ist Windgas?

Bei der Windgas-Technologie wird Strom aus Wind und Sonne in Form von Wasserstoff oder Methan in dem bereits vorhandenen Gasnetz gespeichert. So kann überschüssige Energie aus erneuerbaren Quellen sinnvoll erhalten werden, um Phasen mit weniger Wind und Sonne zu überbrücken. Die Speicherkapazitäten im deutschen Erdgasnetz reichen Experten zufolge sogar aus, um für mehrere Wochen den Strombedarf zu decken. Die Speicherkapazität wird bei zunehmendem Ausbau von erneuerbaren Energiequellen immer wichtiger. Auch zum Heizen eignet sich Windgas und kann in bereits bestehende Gasheizungen eingespeist werden.

Wie wird Windgas gewonnen?

Die aus dem Wind- und Solarkraft gewonnene überschüssige Energie wird in Windgas-Anlagen genutzt, um mittels Wasserelektrolyse Gas zu erzeugen. Wasser wird mit dem Strom dabei in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Der gewonnene Wasserstoff kann bereits zu einem kleinen Teil direkt in das Gasnetz eingespeist werden. In einem zweiten Schritt kann man den Wasserstoff aber auch durch die Zugabe von CO2 zu Methan als Energieträger umwandeln. Man spricht hier von synthetischem Erdgas. Das synthetische Methan kann ohne Probleme im gesamten regulären Gasnetz in Deutschland gespeichert werden. Der Wirkungsgrad bei der Herstellung von synthetischem Gas ist mit 60 Prozent gut. Windgas ist also zu 100 Prozent erneuerbar, denn außer Wind- oder Sonnenenergie und reinem Wasser werden keine Ressourcen benötigt.

E.ON Infografik Windenergie Gaserzeugung

Vorteile und Einsatz von Windgas

Die Vorteile der Windgas-Gewinnung liegen auf der Hand: Sie ermöglicht eine wetterunabhängige und bedarfsgerechte Energieversorgung aus 100 Prozent erneuerbaren Energien. Mit dem deutschen Gasnetz bestehen bereits gigantische Speicher und damit die nötige Infrastruktur. Windgas hilft auch dabei, Netzengpässe zu überbrücken. Überschüssiger Strom aus Wind- und Sonnenkraft kann in der Regel bei Engpässen nicht in das Stromnetz gespeist werden – abgesehen von Pumpspeicherkraftwerken, die jedoch zu einem größeren Eingriff in die Landschaft führen können. Produziert man aber Windgas, geht die aus der Natur gewonnene Energie nicht verloren.

Der Einsatz für Windgas ist vielfältig. In Gaskraftwerken und Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen kann es wieder zur Stromgewinnung genutzt werden, ohne fossile Brennstoffe zu verbrauchen. Über das Gasnetz kann es auch zum Heizen oder Kochen genutzt werden. Auch als Treibstoff für gasbetriebene Kraftfahrzeuge ist Windgas denkbar. Damit schlägt die 100 Prozent erneuerbare Technologie eine Brücke zwischen der Stromgewinnung, der Wärmewirtschaft und sogar der Mobilität. Das macht Windgas zu einer idealen Brückentechnologie auf dem Weg zur vollständigen Energiewende – bis in Zukunft auch Wasserstoff vollständig genutzt werden kann als Energieträger.

Windgas in Deutschland

E.ON Infografik Power to Gas

Die Infrastruktur in Deutschland ist in großen Teilen bereits vorhanden. Das große Gasnetz dient als Energiespeicher und Verteiler für das synthetische Gas. Nur die deutschen Gasspeicher sind groß genug, um den gesamten Speicherbedarf für Ökostrom abzudecken. Um dieses System noch zu verfeinern, ist die fortschreitende Kopplung von Strom und Gasnetzen unabdingbar. Auch Elektrolyse-Anlagen müssen weiter ausgebaut werden. Langfristig können der aus Sonnen- und Windenergie gewonnene Wasserstoff und das synthetische Methan die fossilen Erdgase in Deutschland komplett ersetzen. Wer bereits über eine Gasheizung verfügt, kann ohne aufwändige Modernisierung auf Windgas umsteigen.

Windgas und E.ON

Im brandenburgischen Falkenhagen hat E.ON im Jahr 2013 die erste Power-to-Gas (Windgas-) Anlage errichtet. Dort wird aus Windenergie erzeugter Strom mittels Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt und ins Erdgasnetz eingespeist. Damit kann der im Norden der Bundesrepublik erzeugte Strom andernorts verfügbar gemacht werden.

Der deutsche E.ON-Vertrieb hat wiederum ein Produkt auf den Markt gebracht, das einen fünfzehnprozentigen Anteil Windstrom beinhaltet. Mit dem Produkt E.ON WindGas können Kunden direkt an der Energiewende partizipieren – E.ON wiederum beweist damit einmal mehr, wie schnell und konkret zukunftsweisende Erzeugertechnologien bis zu einer Kundenlösung entwickelt werden können. Gleichzeitig ist es ein Beleg für die zielgerichtete Forschung nach Antworten auf Schlüsselfragen, damit die Energiewende in Deutschland gelingt.