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Meine Wallbox Teil 2: Must-have und Nice-to-have

28.10.2020

Keine Sorge, dieser Teil der Blog-Serie zu Wallboxen wird kein Englisch-Kurs, auch wenn die Überschrift viele englische Wörter enthält. In diesem Teil geht es darum, was eine Wallbox an Funktionen unbedingt enthalten muss (must-have) und welche Funktionen sie zusätzlich enthalten könnte, um den individuellen Wünschen und Vorstellungen heute und in Zukunft gerecht zu werden (nice-to-have).


Das sind die Must-haves

Dass eine Wallbox über einen Typ 2-Anschluss für das Ladekabel verfügen muss, erscheint auf den ersten Blick überflüssig zu erwähnen. Wer sich aber eine gebrauchte Wallbox anschafft, sollte darauf achten, denn vor einigen Jahren gab es Wallboxen mit Typ 1-Anschluss, der heute eigentlich unbrauchbar ist. Und keine Sorge: Es wird auch in Zukunft beim Typ 2-Anschluss bleiben, wenn es um das Laden mit Wechselstrom (AC) geht.

In Zukunft wird es vermehrt Wallboxen mit Gleichstrom-Anschluss (DC-Anschluss) geben, um auch zu Hause oder am Arbeitsplatz schnelleres Laden zu ermöglichen. 


Wer weiß, was die Zukunft bringt?

Ein absolutes Must-have ist die ausreichende Ladeleistung der Wallbox, passend zum Auto – darüber haben wir im zweiten Teil bereits gesprochen. Wenn das Auto, z.B. eine Renault ZOE 22 kW Ladeleistung bietet, die Wallbox aber nur 11 kW abgeben kann, verschenkt man Zeit. Das Auto könnte schneller wieder voll sein. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem man das wirklich mal braucht und dann ist der Ärger groß.

Also sollte die Wallbox auf jeden Fall eine Ladeleistung von mindestens 11 kW, besser 22 kW, abgeben können und entsprechend elektrisch angeschlossen sein. Das gilt auch, wenn das aktuelle Fahrzeug, z.B. ein VW e-UP! (Ladeleistung 7,2 kW), diese 11 kW gar nicht abrufen kann. Vielleicht kann es ja das nächste Fahrzeug oder das eines Freunde, der zu Besuch kommt und möglichst schnell laden möchte. Und auch wenn es derzeit die Hauselektrik nicht ermöglicht eine Wallbox mit 22 kW zu betreiben, sollte man immer eine Wallbox wählen, die theoretisch 22 kW abgeben kann – ggf. wird ja der Hausanschluss später mal nachgerüstet. Hier sollten Sie zukunftsgerichtet denken und handeln. Der spätere Austausch einer Wallbox erzeugt unnötige Kosten, unnötigen Ressourcenverbrauch sowie Elektromüll, der entsorgt und/oder recycelt werden muss.

Aufgepasst: Möchten Sie zuhause eine Wallbox mit bis zu 22 kW Ladeleistung betreiben, muss deren Anschluss und Betrieb beim zuständigen Netzbetreiber durch den Elektriker beantragt werden.

 

Auf den Service kommt es an

Wer kauft schon gerne ein Produkt und erhält dafür keinen Service? Es gibt wohl kaum ein Produkt, bei dem am Anfang der Nutzungszeit keine Fragen oder mal ein Problem auftritt. Bietet der Hersteller Unterstützung, z.B. durch eine Hotline oder eine umfassende Hilfesammlung im Internet? Eventuell kann die Wallbox sogar über eine Fernwartung aktualisiert werden (Firmware-Update)? Fragen Sie im Zweifel beim Hersteller nach und wählen den Hersteller, der Sie auch beim Service überzeugt.

Hierzu gehört übrigens auch, dass der Hersteller Datenblätter und Konformitätszertifikate zur Verfügung stellt, die bei der Anmeldung der Wallbox beim Netzbetreiber eingereicht werden müssen.

 

Sicherheit geht geht vor    

Elektroautos und alle anderen Arten an Elektrofahrzeugen werden zum Laden mit dem Stromnetz verbunden. Mit Strom kann man also viel Spaß haben, einen sicheren Anschluss als Voraussetzung dafür sollte man aber sehr ernst nehmen. Also immer einen Elektriker hinzuziehen, dieser wird auch prüfen, ob bereits in der Wallbox der benötigte Personenschutz (Fi-Schalter) eingebaut ist. Dieser besteht aus zwei Elementen; befinden sich diese nicht in der Wallbox, müssen sie in die Hausverteilung eingebaut werden. Konkret handelt es sich um zwei Fehlerschutzschalter, je einer für Gleich- und Wechselstrom. In immer mehr Wallboxen sind diese, oder entsprechende Bauelemente, bereits integriert.


Das sind die Nice-to-Haves

Nachdem wir einen Blick auf die absoluten und unverzichtbaren „Must-have“-Funktionen geworfen haben, wenden wir uns jetzt den optionalen Funktionen, also allem, was „nett zu haben“ ist oder sein könnte.


Meine Wallbox – deine Wallbox

Ist die Wallbox an der Hauswand angebracht und betriebsbereit stellt sich schnell die Frage, wie man diese vor unbefugter Benutzung, z.B. während eines Urlaubs, schützen kann. Natürlich ist die einfachste Lösung, diese über die Sicherungen in der Hausverteilung stromfrei zu schalten – ohne Strom keine Ladung. Doch wer sich auch tagsüber gegen Missbrauch schützen möchte, mag eine komfortablere Zugriffsverwaltung anwenden. Dies geht von einem einfachen Schlüsselschalter, über eine App-Steuerung bis hin zu eigenen RFID-Chips, mit denen man die Wallbox freischalten kann – praktisch für Hotels oder Restaurants. Welche Variante für Sie in Frage kommt, ist erneut eine individuelle Entscheidung und natürlich auch eine Preisfrage.


Ein integrierter Stromzähler

Natürlich ist es spannend und aufschlussreich, vor allem in Kombination mit einer PV-Anlage, den Stromverbrauch des Elektrofahrzeugs zu kontrollieren. Einige Wallboxen verfügen dazu über einen integrierten Stromzähler für den verbrauchten Strom. Achtung: Diese Lösungen sind meist ungeeicht, also nicht zur gewerblichen Abrechnung des abgegebenen Stroms zugelassen. Soll der abgegebene Strom abgerechnet werden, ist ein geeichter Zähler eine zwingende Voraussetzung.

 

Eine adäquate Steuerung

Will man die Stromabgabe an das Fahrzeug genauer kontrollieren oder Ladevorgänge nur zu bestimmten Zeiten freigeben, ist die Steuerung der Wallbox über eine App nützlich und komfortabel. Je nach Wallbox lassen sich viele Parameter einstellen, z.B. die Stromstärke pro Phase bzw. die maximale Ladeleistung, die Ladezeiten sowie die Ansteuerung durch die Photovoltaikanlage.

 

Das Lastmanagement

Erst kommt das eine Elektroauto, dann das nächste. Und jedes Fahrzeug benötigt eine eigene Wallbox. Um nicht für jede weitere Wallbox neue Stromleitungen legen zu müssen und die maximale Ladeleistung, die das Hausnetz zur Verfügung stellen kann, optimal auf alle Wallboxen aufteilen zu können, wird ein Lastmanagement benötigt. Eine Wallbox sollte wenigstens ein einfaches, sogenanntes statisches Lastmanagement anbieten. Da diese Funktion in Zukunft immer wichtiger werden wird, kann ein integriertes oder nachrüstbares Lastmanagement fast schon als must-have bezeichnet werden. Noch besser sind dynamische Systeme, die auch den aktuellen Verbrauch im Haushalt mitberücksichtigen können und so z.B. nachts, höhere Ladeleistungen ermöglichen, als tagsüber.

 

Der solare Eigenverbrauch

Viele Nutzer*innen von Elektrofahrzeugen haben bereits eine PV-Anlage oder installieren diese später. Der Wunsch, selbst erzeugten Strom direkt ins eigene Fahrzeug zu laden ist verständlich. Schließlich können damit konkurrenzlose Ladepreise realisiert werden (ca. 10 bis 15 Cent pro Kilowattstunde). Zudem ist dies eine besonders klimafreundliche Art der Energienutzung, erhöht die Wirtschaftlichkeit der gesamten Anlage und entlastet die Stromnetze. Doch damit die Wallbox zum richtigen Zeitpunkt die Ladung startet, ist eine Steuerung nötig. Die benötigten Komponenten sollten in der Wallbox integriert bzw. zum Einbau in die Hausverteilung beiliegen oder nachgekauft werden können.

 

Design, oder nicht sein

Warum nur auf schnöde Technik achten, auch das Auge will verwöhnt sein. Machen Sie das Laden Ihres Elektrofahrzeuges zu einem optischen Erlebnis. So wandeln sich die langweiligen weißen, grauen oder schwarzen Ladekästen an den Hauswänden mehr und mehr zu echten Designobjekten, die das Laden zu einem stilvollen Erlebnis machen und optimal zu Ihrem Zuhause passen. Schauen Sie sich bei den diversen Herstellern um und wählen, was optimal zu Ihren Ansprüchen und ihrem Stil passt.

Und wenn es schon kein besonderes Design ist, dann macht das individuelle oder gewerbliche Branding, z.B. mit dem Firmenlogo auf dem Gehäuse, Ihre Wallbox(en) zu etwas Besonderem mit Wiedererkennungswert.

 

ISO 15118 und Backend-Anbindung

Die Norm ISO 15118 ist keine PIN-Nummer, sondern die Bezeichnung für ein Kommunikationsprotokoll zwischen Elektrofahrzeug und Ladestation. Es soll auch für automatisch abgerechnete Ladevorgänge sorgen, somit gehören Ladekarten und Lade-Apps (endlich) der Vergangenheit an. Wer also gleich oder zu einem späteren Zeitpunkt Ladevorgänge korrekt und möglichst einfach abrechnen lassen möchte, sollte bei der Auswahl der Wallbox auf die Implementierung dieser Norm achten bzw. darauf, dass diese über ein Update nachgeliefert werden kann.

Für Abrechnungsvorgänge ist zudem die Anbindung an ein IT-Backend nötig (meist über GSM- oder WLAN-Modul in der Wallbox); die entsprechenden Komponenten sollten in der Wallbox integriert sein.

Beachten Sie diese Hinweise, finden Sie sicher schnell und unkompliziert die optimale Wallbox für Ihre Bedürfnisse und Ansprüche.


Teil 1 der Wallbox-Reihe

Kann man nicht einfach an der Steckdose laden

Teil 3 der Wallbox-Reihe

Auf das E-Auto kommt es an

2 Kommentare
2020-10-29T15:40:27Z
Donnerstag, 29.10.2020 um 16:40 Uhr
Lohnt es sich denn eine Wallbox mit Typ 1 Anschluß auf Typ 2 umzurüsten, oder kommt einem eine Neuanschaffung in diesem Fall günstiger?
2020-11-19T12:19:28Z
Donnerstag, 19.11.2020 um 13:19 Uhr
Aufgrund der nötigen neu zu installierenden Elektronik, ist eine Umrüstung nicht anzuraten. Besser wäre ein Neukauf, ggf. kannst du dabei das Förderprogramm für Wallboxen nutzen:
www.kfw.de/440
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