Kostenfallen bei der Wallbox-Installation vermeiden

18.05.2021

Die Installation einer Wallbox zum Laden eines Elektroautos übernimmt ein erfahrener Elektriker. Im Idealfall kommt er oder sie vorab zu Ihnen nach Hause und nimmt die vorgesehene Installationsstelle in Augenschein. Dabei lassen sich bereits Fragen klären wie: Wird die Wallbox auf einem eigenen Ständer montiert oder an einer Wand fixiert? Auch die Zuleitung des Stromkabels vom Sicherungskasten ist ein ganz wesentlicher Punkt. Unsere Liste hilft Ihnen bei der Planung und gibt Tipps wie Sie spätere Zusatzkosten vermeiden. 


Falle Nr. 1: Verteilerkasten zu klein

Je nach Baujahr des Hauses bzw. letzter Überarbeitung der Elektroinstallation in einem Haus, weisen die Verteilerkästen ggf. nicht oder nicht mehr ausreichend Platz auf, um zusätzliche Sicherungen und Personenschutzschalter (FI-Schalter), die bei der Installation einer Wallbox mit eingebaut werden müssen, aufzunehmen. Vor der Beauftragung sollte also immer durch den ausführenden Elektriker geprüft werden, ob der oder die vorhandenen Verteilerschränke ausreichend groß sind und ausreichend Platz bieten. Die Installation einer Wallbox beinhaltet eben mehr als nur die Montage am Stellplatz und das Ziehen eines Kabels. Mit dem Umbau einer Elektroverteilung können mitunter hohe Kosten verbunden sein.

 Abb.: moderner Schaltschrank mit Autostrom-Zähler (Foto: J. Affeldt)


Falle Nr. 2: Ausreichende Hausanschlussleistung

Wallboxen sind bis zu einer Ladeleistung von 22 kW erhältlich, dies entspricht alleine dem Anschlusswert eines Einfamilienhauses. Es kann also nicht davon ausgegangen werden, das der vorhandene Hausanschluss ausreichend stark genug ist, eine Wallbox mit zu versorgen. Die genaue Hausanschlussleistung kann der ausführende Elektriker prüfen und ggf. eine Erhöhung der Anschlussleistung beim Netzbetreiber beantragen. Sollte eine Erhöhung der Anschlussleistung nötig sein, sind damit Mehrkosten verbunden, die der Hausbesitzer anteilig tragen muss. Tipp: Nutzen Sie das KfW-Förderprogramm für Ihre Wallbox, muss die Ladeleistung vom Elektriker auf 11 kW begrenzt werden.

 

Falle Nr. 3: Zweiter Elektriker nötig

In Einzelfällen müssen Umbauten im Verteilerschrank durchgeführt werden, die nur durch einen Elektriker des Netzbetreibers ausgeführt werden dürfen; dieser müsste zusätzlich bezahlt werden. Daher der Tipp: Verlangen Sie vom Elektriker, der die Wallbox installieren soll, ein detailliertes Angebot und eine schriftliche Bestätigung, dass keine weiteren Kosten für einen weiteren Elektriker anfallen werden.

 

Falle Nr. 4: Aufwändigere Installation

Soll eine Wallbox mit 11 oder sogar 22 kW an das Hausnetz angeschlossen werden, müssen dafür sehr leistungsfähige Kabel verlegt werden, die in der Regel entsprechend dick und schwierig zu verlegen sind, sowohl im Haus als auch im Verteilerschrank. Lassen Sie sich durch den ausführenden Elektriker daher bestätigen, am besten schriftlich, dass keine zusätzlichen Kosten anfallen werden, als die, die in seinem Angebot enthalten sind, auch wenn sich das Verlegen der Kabel nachträglich als schwieriger herausstellt – lehnen sie Nachforderungen oder zusätzlichen Aufwand grundsätzlich ab, es sei denn, diese können vom Elektriker begründet werden.

 

Falle Nr. 5: teurer Haushaltsstromtarif

Schon vor der Inbetriebnahme einer Wallbox sollten Sie sich über die zusätzlichen Stromkosten für das Laden des Elektrofahrzeuges Gedanken machen. Pro 100 km müssen Sie durchschnittlich mit einem Strombedarf von 15 bis 20 kWh rechnen. Fragen Sie daher Ihren aktuellen Versorger nach speziellen Autostromtarifen, speziellen Tarifen für Haushalte mit Elektrofahrzeugen oder nach Rabatten. Ziehen Sie auch den Wechsel des Stromversorgers in Betracht, denn das Angebot ist groß und die Preisunterschiede mitunter deutlich.

Prüfen Sie Werbeversprechen genau. So kann ein spezieller Autostromtarif ggf. durch zusätzliche Kosten, z.B. für einen separaten Zähler, unwirtschaftlich werden. Rechnen Sie nach und schließen Sie  nach Möglichkeit nur Neuverträge ab, die nicht länger als 12 Monate laufen und monatlich gekündigt werden können.

 

Falle Nr. 6: Pauschale Installation

Eine Firmen werben mit Installationspauschalen. Diese Angebote beinhalten meist nur weniger Meter Kabel und decken den wahren Installationsaufwand gar nicht ab, oder es tauchen plötzlich zusätzliche Aufwendungen auf, ohne die die Installation nicht ausgeführt werden kann. Lassen Sie sich also immer ein individuelles Angebot erstellen, am besten von zwei oder drei Firmen und lassen Sie sich niemals zum Anschluss eines Auftrages drängen. Seriöse Firmen werden dies nicht tun.

 

Falle Nr. 7: „Da ist uns noch etwas aufgefallen …“

Natürlich kann es immer sein, dass Sie durch einen seriösen Elektriker ggf. auf Mängel in Ihrer Elektroinstallation hingewiesen werden, die dieser gleich mit bearbeiten kann. Sollten Sie sich aber nicht sicher sein, ob hier tatsächlich Handlungsbedarf besteht, lehnen Sie solche zusätzlichen Arbeiten ab. Es ist durchaus denkbar, dass die Installation der Wallbox sehr knapp kalkuliert wurde und der Gewinn mit zusätzlichen Leistungen erzeugt werden soll, die man dem Kunden einredet oder gar aufdrängt. Daher ist es immer sinnvoll, mindestens zwei Angebote einzuholen.

 

Falle Nr. 8: Der Aufstellort

Für Wallboxen gelten Regeln bei der Installation im Freien bzw. am Stellplatz; diese sind u.a. in der Installationsanleitung genau aufgeführt. Lassen Sie sich vom Elektriker bestätigen, dass der Montageort den Anforderungen entspricht. Werden Sie aber auch misstrauisch, wenn Ihnen z.B. eine teure Montagestehle mit Betonsockel aufgedrängt werden soll, da die Montage an einer Hauswand in der Regel unproblematisch ist. Hinweise hierzu erhalten Sie im Zweifel beim Hersteller der Wallbox und der Installationsanleitung.

 

Falle Nr. 9: Die falsche Wallbox

Vor dem Kauf einer Wallbox sollten Sie nicht nur die aktuelle, sondern auch zukünftige Nutzungsszenarien in Betracht ziehen. Soll z.B. Sonnenstrom einer Solaranlage geladen werden können, sollen weitere Wallboxen einfach ergänzt werden können (Lastmanagement) oder soll die Wallbox von verschiedenen Personen oder für verschiedene Fahrzeuge (privat, dienstlich) genutzt werden? Informieren Sie sich dahingehend genau, denn der Kauf einer neuen Wallbox führt ggf. zu hohen Kosten.

1 Kommentar
2021-05-19T03:28:36Z
Mittwoch, 19.05.2021 um 05:28 Uhr
Oh Mann, wenn man das liest kriegt man richtig Angst vor den ganzen Kosten - da lade ich später lieber an einer Steckdose, die schon da ist.
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