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E-Auto Mythen Teil 4: Die Abhängigkeit von Kobalt reduzieren

19.03.2021

Elektroautos gelten als saubere Alternative zum schmutzigen Verbrenner. Doch schnell taucht die Frage nach den Rohstoffen für die Batterien und deren Gewinnung auf. Dabei geht es in erster Linie um die Rohstoffe Lithium und Kobalt. In der Kathode sorgt Kobalt für eine hohe Energiedichte. Diese Eigenschaft erklärt die kometenhafte Karriere (und Preisentwicklung) des Metalls. Geht ohne Kobalt bald nichts mehr, wenn bis zu 20 Prozent eines Lithium-Ionen-Akkus aus Kobalt bestehen? 


Was Sie in dieser Folge erwartet:

  • Wo und wie wird Kobalt gewonnen?

  • Wofür wird Kobalt verwendet?

  • Wieviel Kobalt wird für Akkus benötigt?


Tagebau schließen löst das Problem nicht


Das Metall wird zu weit über 95 Prozent im Verbund mit Kupfer und Nickel zu Tage gefördert. Rund 60 Prozent des Kobalts stammen laut der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe derzeit aus dem Kongo. Künftig wird sich dieser Anteil auf über 70 Prozent erhöhen. Im Kongo entstanden daher riesige Abbaugruben. Teilweise wird im offenen Tagebau ohne Einhaltung von Sozial- und Arbeitsschutz-Standards abgebaut. So kommt es, dass diese Minen immer wieder wegen Kinderarbeit in die Schlagzeilen geraten.

Die vergleichsweise unsicheren politischen Verhältnisse und die damit schwankende Versorgungssicherheit bringt für die Hersteller und das Land Probleme. Werden diese Minen geschlossen, bedeutet es nicht, dass die Kinder morgen zur Schule gehen. Für die Rohstoff-Einkäufer ist es schwer zu ermitteln, aus welchen Minen Kobalt stammt. Das Material aus problematischen Tagebauen wird über Zwischenhändler in Depots mit Kobalt aus vermeintlich “sauberen” Minen vermischt. 

Neben der Demokratischen Republik Kongo gibt es weitere Länder, aus denen der wichtige Rohstoff kommt. Dazu gehört Russland, wo Kobalt in den großen Bergwerken beim Nickelabbau mit gefördert wird, genauso wie Australien und Kanada. Der abgebaute Kobalt-Anteil in den meisten anderen Ländern bewegt sich dahingegen im unteren einstelligen Prozentbereich. 


Abb: Weltweite Kobalt-Vorkommen: Die Demokratische Republik Kongo dominiert (Quelle: Agora Verkehrswende)


Keine E-Autos sind auch keine Lösung

Während die ungleiche Verteilung der Kobaltvorkommen Risiken mit sich bringt und daher mit Hochdruck daran gearbeitet wird, den Kobalt-Anteil der Lithium-Ionen-Batterien zu senken, wäre der Verzicht auf Elektroautos keine Lösung. Zwar wird die Hälfte des geförderten Kobalt für Akkus benötigt. Doch entfallen lediglich 17 Prozent auf die Elektromobilität. Der Rest sind Akkus für Dinge des täglichen Lebens wie Laptops, Handys, Zahnbürsten, Akkuschrauber, Staubsaugerroboter und vieles mehr. Darüber hinaus findet Kobalt Verwendung in Legierungen, Hartmetallen, Färbemitteln, Glas, Emaille, Plastik, Keramik, Textilien, Magneten, Katalysatoren, Reifen und Seiten. Es wird zur Entschwefelung von Benzin sowie zur Wasserstoff-Elektrolyse benötigt. 

Insgesamt stehen wir vor einer gesellschaftlichen Herausforderung, die erst durch Elektromobilität öffentliches Interesse erfuhr. Ohne das Problem der Kinderarbeit klein reden zu wollen, doch diese Art der Auseinandersetzung verhindert eher eine ehrliche Diskussion über Lösungsansätze. Die Minderjährigen sind in erster Linie im teils illegalen und unsicheren Kleinbergbau tätig. Dieser Kleinbergbau beschäftigt Amnesty International zufolge zwar 150.000 Menschen, hat jedoch nur einen Anteil von etwa zehn Prozent an der Gesamtproduktion. Dieser Anteil lag noch 2002 bei etwa 90 Prozent. In diesem Bereich ist also schon viel passiert. Man kann gut nachvollziehen, dass sich die Autohersteller aber auch andere Abnehmer nicht ständig mit derartigen Vorwürfen konfrontiert sehen möchten. 



Abb: Für E-Autos der Oberklasse mit großen Akkus gibt es für Kobalt noch keinen Ersatz (Foto: Steve Dumke)

 

Lieferkettennachweis für Kobalt

BMW kauft inzwischen kein Kobalt mehr im Kongo. Die Global Battery Alliance, zu der auch Audi, BMW und VW gehören, arbeitet an einem Siegel, der die Herkunft der Rohstoffe garantiert. Elektroautohersteller Tesla hat einen eigenen Lieferkettennachweis entwickelt, der garantiert nur mit Kobalt aus industriellen Minen versorgt zu werden, die Kinderarbeit ablehnen. Tesla konnte bereits 2019 den Kobaltanteil seiner Akkus auf 2,8 Prozent senken. Üblich sind etwa 20 Prozent und selbst Volkswagens-Akkus der ID-Modelle besitzen noch immer etwa 12 Prozent Kobalt. Einige Versionen des Model 3 von Tesla werden mit sogenannten LFP-Akkus ausgeliefert. Dabei handelt es sich um Lithium-Eisenphosphat-Akkus, bei deren Produktion kein Kobalt benötigt wird. Das geht zulasten der Energiedichte und damit der Reichweite. Doch für Einstiegsmodelle reicht die Leistungsfähigkeit der Akkus aus.



Abb: Klassische Batterien als auch Akkus nutzen Kobalt im Kathodenmaterial (Foto: Pixabay)


Recycling senkt Rohstoff-Bedarf

Durch die Größe der Akkumulatoren ergibt sich noch ein weiterer Punkt. Es ist inzwischen wirtschaftlich Akkus am Ende ihrer Lebenszeit zu recyceln und dessen Rohstoffe zurückzugewinnen. Pilotanlagen schaffen bereits 95 Prozent Recyclingquote.

Während wir Jahrzehntelang Kobalt in Färbemitteln, Plastik, Textilien, Katalysatoren, zur Entschwefelung von Benzin, für Reifen, Trocknungsmittel und Seifen unwiederbringlich verschwendet haben, wird der Bedarf innerhalb der Elektromobilität durch Recycling und neue Technologien drastisch gesenkt.

Dennoch gibt es natürlich Fälle von sozialer Ungleichheit, Kinderarbeit, sowie Umweltbelastungen an jedem Ort, wo der Mensch Rohstoffe gewinnt. Daher sollten die Konsumenten genau hinschauen, was in den Produkten enthalten ist, die sie verwenden und hinterfragen, ob man den Akku betriebenen Rasenmähroboter oder neuen Akkuschrauber wirklich braucht oder es der alte vielleicht noch tut.


E-Auto Mythen:

Teil 1: Erfrieren bei Stau im Winter

Teil 2: Stundenlanges Laden

Teil 3: Dreckige Rohstoffe für saubere Autos

Teil 5: Ohne Klimaanlage im Elektroauto fahren


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