E-Auto Mythen Teil 2: Stundenlanges Laden

05.02.2021
Die Reichweite eines Elektroautos reicht bis um den nächsten Kirchturm und dann muss es für Stunden an die Steckdose. So lautet die landläufige Meinung über Elektrofahrzeuge. Aber es tut mir leid, ich muss diese Vorstellungen und Weltbilder zerstören!


Reale Reichweiten

Wissen Sie auf Anhieb wie weit ein Kia E-Soul, ein Tesla Model 3 SR+ oder ein Volkswagen ID.3 laut Herstellerangaben kommen? Nein? Alle drei E-Autos kommen nach WLTP-Testzyklus über 400 Kilometer weit – mit einer Batterieladung. 

WLTP steht für Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicle Test Procedure. Es ist ein genau festgeschriebenes Testprogramm, dass seit September 2017 zur Ermittlung der Verbräuche vorgeschrieben ist. Übrigens für Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor ebenso wie für E-Autos. Wer also kritisiert, die Reichweite der Elektroautos stimme nicht mit der Realität überein, der muss sich auch eingestehen, dass sie es bei den Verbrennern auch nicht tun.

Allerdings weit das vorgeschriebene Testprogramm vom Autofahrer-Alltag ab (weniger Beschleunigungen, geringeres Tempo, kaum Heizung und weitere "Verbraucher" eingeschaltet). Somit weichen die realen Reichweiten von den WLTP-Angaben in den Broschüren ab. Nehmen wir mal an, sie liegen pauschal 25 Prozent über dem realen Wert. Da bleiben also noch etwa 300 Kilometer Reichweite.


Bis zum Kirchturm und zurück

300 Kilometer klingen erstmal nicht viel. Schliesslich haben Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor 800 bis 1.000 Kilometer Reichweite mit einer Tankfüllung. Doch Achtung! Für eine genauere Betrachtung müssen wir einen kleinen Bogen machen.

Wer hat denn ein Gefühl dafür, wie weit er täglich fährt? Nehmen wir die Pauschale von 25 Prozent von oben und gehen davon aus, dass der Benziner mit 45 Liter Tank nicht nur 6 Liter auf 100 km verbraucht und somit 800 Kilometer schafft.

Liegt der Verbrauch in der Realität also 25 Prozent höher, dann genehmigt sich der Ottomotor ganze 7,5 Liter auf einer Strecke von 100 Kilometern. Mit seinem 45 Liter Tank kommt er also 600 Kilometer weit.

Das ist ja noch immer gut das Doppelte von dem, was E-Autos schaffen. Ja mag sein, doch wie oft tanken sie ihren Wagen? Einmal pro Woche? Nach dieser Annahme müssten sie also nicht nach jeder Fahrt oder an jedem Abend das E-Auto an die Steckdose anschliessen, sondern lediglich zweimal in der Woche.



Abb: Das Display im E-Auto zeigt die voraussichtliche Ladezeit, je nach Leistung der Ladesäule


Die Fahrt in den Urlaub

Ja, wenn da nicht die Urlaubsfahrt wäre. Für diese eine oder zwei Fahrten im Jahr neigen wir Deutschen dazu, uns die eierlegende Wollmilchsau zuzulegen. Dann fahren wir das ganze Jahr einen schweren Energiespeicher umher, um unsere Männlichkeit auf einer Alpentour ohne Pinkelpause den Liebsten beweisen zu können.

Die aktuellen Generationen der elektrischen Mittelklasse bieten neben 300 bis 400 Kilometer realer Reichweite auch Schnelllademöglichkeiten von durchschnittlich 100 kW Ladeleistung. Damit können die Fahrzeuge, in einer halben Stunde, für die nächsten 300 Kilometern fit gemacht werden. 

Ja, eine halbe Stunde klingt viel. Doch stoppen sie bei ihrem nächsten Besuch an einer Raststätte mal die Zeit. Wie bei der Verbrauchsanalyse oben werden Sie überrascht sein, wieviel Zeit Sie bisher schon immer mit Toilette, belegten Brötchen und Kaffee kaufen verbraucht haben. Und dann weiß der Kunde vor ihnen nicht, ob er ein Snickers oder Mars nehmen soll.



Elektroauto – laden in 20 Sekunden

Um auf die Ausgangsbehauptung zurück zu kommen: Wenn ich das Elektroauto im Alltag laden muss, dann dauert das Stunden über Stunden. Ja und nein. Ja, weil ein vollständig leeres Elektroauto an der heimischen Steckdose zu laden, dauert Stunden und klingt erstmal nervig. Muss es aber nicht sein, denn für den geübten E-Auto Fahrer dauert der Ladevorgang nur 20 Sekunden.

Frei nach dem Motto: „Steht er, dann lädt er“, lädt ein E-Auto immer dann, wenn es sowieso absehbar eine längere Zeit abgestellt wird. Sei es beim Supermarkt, am Kino, bei der Arbeit, im Parkhaus, zu Hause, beim Arzt oder …. (Hier bitte Lieblingsort einfügen)

So hält man den Ladestand des Fahrzeugs immer zwischen 40 und 80 Prozent und kommt nie in die unangenehme Lage, einen leeren Akku zu haben, obwohl man mal schnell irgendwo hin muss.

Der aktive Ladevorgang dauert für den Nutzer also nur 20 Sekunden. 10 Sekunden beim Fahrzeug abstellen um die Ladung zu starten und das Fahrzeug mit dem Kabel zu verbinden und 10 Sekunden um das Kabel vor Abfahrt zu trennen und zu verstauen.



Abb: HPC steht für Hight Power Charging und liefert Ladeleistungen jenseits der 100 kW


Schauen Sie das nächste Mal auf die Uhr, wie lange sie im Supermarkt, im Fitnessstudio, im Café oder bei Freunden waren und stellen Sie sich vor, das Fahrzeug hätte über diese Zeitspanne geladen werden können.

Dann ist es auch egal, wie lange das Fahrzeug wirklich zum Laden benötigt, denn man wird nie in die Bredouille kommen, stundenlang warten zu müssen. Es lädt einfach immer dort wo es sowieso steht. 


E-Auto Mythen:

Teil 1: Erfrieren bei Stau im Winter

Teil 3: Dreckige Rohstoffe für saubere Autos

Teil 4: Die Abhängigkeit von Kobalt reduzieren

Teil 5: Ohne Klimaanlage im Elektroauto fahren

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2 Kommentare
2021-02-08T14:23:47Z
Montag, 08.02.2021 um 15:23 Uhr
Liest sich gut. Ich finde übrigens nicht, dass eine halbe Stunde Pause auf der Reise zum Urlaubsziel lang ist. Für mich beginnt der Urlaub schon mit der Abfahrt früh am morgen. Wer sich auf der Reise stresst und schon beim Gedanken an 30 Minuten Pause nervös wird, der sollte mal lieber einen Traktor umsteigen, um so ein wenig zur generellen Entschleunigung beizutragen. Mal im ernst: Man sollte sich nicht zu sehr von der allgemeinen Hektik anstecken lassen..👌
2021-02-09T15:15:32Z
Dienstag, 09.02.2021 um 16:15 Uhr
Schöne Rubrik!
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