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Back to the Future: Das Duell der Drillinge – Teil 1

26.02.2021

Die alten Drillinge, darunter verstehe ich die baugleichen Fahrzeuge von Mitsubishi i-MiEV, Peugeot iON und Citroen C-Zero. Sie kamen ab 2010 als erste Serienfahrzeuge mit Elektroantrieb auf den Mark. Inzwischen gibt es eine Neuauflagen der Drillinge mit dem VW eUP, Seat Mii electric und dem Skoda CityGo iV. 

Während ich in der kommenden Folge die Fahrzeuge von der technischen Seite beschreibe und ihrem Alltagsnutzen vergleiche, liegt der Schwerpunkt dieser ersten Folge auf der Frage: Lohnt sich überhaupt der Kauf eines gebrauchten Elektroautos?


Was Sie in dieser Folge erwartet:

  • Warum ein gebrauchtes Elektroauto kaufen?

  • Technischer Zustand nach mehr als 8 Jahren und knapp 75.000 km?

  • Eindrücke aus dem Alltag mit dem „Old-Stromer“


Ein gebrauchtes Elektroauto kaufen?

Wir haben bereits darüber berichtet: Der Gebrauchtwagenmarkt für Elektrofahrzeuge wächst und diversifiziert sich. Es gibt je nach Geldbeutel in allen Fahrzeugkategorien ein breites Angebot, vom Kleinwagen (z.B. smart ed, VW eUP oder Mitsubishi i-MiEV) bis zur Luxuslimousine (Tesla). Durch die aktuelle, hohe Neuwagenförderung für Elektroautos und Plug-in-Hybride sind die Gebrauchtwagenpreise stark unter Druck. Vergleichen und handeln lohnt sich also.

Ein entscheidender Punkt ist die ökologische Betrachtung. Wie auch der Kauf von gebrauchten Produkten, z.B. Möbel, Haushaltsgeräte, IT-Technik oder Kleidung, einen spürbar positiven Effekt auf die CO2-Emissionen hat, durch die Einsparung an Rohstoffen, Energie und Transportaufwand. Gleiches gilt für den Kauf eines gebrauchten Elektroautos oder Plug-in-Hybriden. Was einmal hergestellt und noch gebrauchsfähig ist, muss nicht neu produziert werden. Pro Fahrzeug können damit fünf bis zehn  Tonnen CO2 sowie große Mengen an Rohstoffen (Lithium, Kobalt, Kupfer etc.) eingespart werden. Wer ein Elektroauto (auch) unter Klimaschutzgründen kaufen möchte, sollte dies bedenken. 



Abb.: Citroen C-Zero, BJ 2012, 74.000 km (Foto: J. Affeldt)


Was kann man erwarten, womit muss man rechnen?

Genauso wichtig ist die Frage, ob die verbaute Technik (Motor, Ladegeräte, Steuerung und Batteriezellen) nach sechs und mehr Jahren bzw. 60.000 bis 100.000 km Laufleistung noch voll alltagstauglich ist. Gibt es spürbare Einbußen an Leistung, Zuverlässigkeit oder Reichweite?

Erwarten Sie also bei einem sieben oder acht Jahre alten Elektroauto ein durchaus gepflegtes Fahrzeug, ohne grundlegende Schäden oder Mängel, mit dem sie sicher noch zwei bis vier Jahre mobil sein können (regelmäßige Kontrollen und Servicearbeiten vorausgesetzt).

Was Sie von der Leistung des elektrischen Antriebs erwarten können, macht die Vorteile des strombasierten Fahrens deutlich: Elektromotoren unterliegen grundsätzlich keinem Verschleiß; die geringe Zahl der bewegten Teile macht sich positiv bemerkbar. Ventile, Steuerketten oder Dichtungen sind hier Fehlanzeige. Was es nicht gibt, kann auch nicht kaputt gehen.


Einschränkungen bei der Batterie

Keinerlei Einschränkungen sollten auch an der Ladetechnik auftreten, egal ob Laden an Wechselstrom (AC) oder Gleichstrom (DC); auch hier unterliegen die verbauten Komponenten keiner grundlegenden Abnutzung.

Bei der Batterie müssen Sie jedoch mit leichten bis leicht spürbaren Einschränkungen rechnen, denn Batteriezellen verlieren im Lauf der Zeit an Kapazität, d.h. eine acht Jahre alte Batterie wird 10 bis 20 Prozent an Kapazität verloren haben; damit einher geht eine Reduzierung der maximalen Reichweite. Ob Sie dies im Alltag aber überhaupt bemerken, ist fraglich. Wer nutzt schon täglich die volle Reichweite seines Fahrzeuges aus? Selbst wenn die Reichweite von 150 auf 130 km gesunken sein sollte – wer täglich lediglich 30 bis 50 km fährt, muss mit keinen Einschränkungen rechnen, auch nicht im Winter, wenn der Stromverbrauch durch die Heizung ansteigt. 

Tipp: Oft steigt die Reichweite sogar wieder an, wenn das Fahrzeug durch den Vorbesitzer nur unregelmäßig und selten komplett geladen wurde. In dem Fall ist ggf. das Batteriekontrollsystem etwas „durcheinander“. Einige wenige Vollladungen bewirken oft Wunder, wenn das Auto wieder gelernt hat, wieviel Kapazität wirklich noch in den Zellen steckt.


Ein Old-Stromer im Alltagstest

Für diesen Bericht steht mir ein 8,5 Jahre junger Citroen C-Zero mit einer Laufleistung von knapp 74.000 km zur Verfügung. Nach einer Grundreinigung innen und außen präsentiert sich der Wagen in einem optisch und technisch guten bis sehr gutem Zustand. Lack, Glasflächen, Reifen und die Innenausstattung sind so gut wie neuwertig, obwohl das Fahrzeug die letzten drei Jahre als rollende Werkstatt intensiv genutzt wurde. 



Abb.: Innenraum Citroen C-Zero nach Grundreinigung (Foto: J. Affeldt)


Batteriekontrollsystem neu kalibrieren

Durch unregelmäßige Ladungen (viele Teil-Ladungen, häufig Schnellladungen bis 80 Prozent) war die angezeigte Reichweite von nur 67 km zunächst enttäuschend. Nach zwei Komplettladungen zeigt der Wagen aber, auch bei Minus-Temperaturen, eine maximale Reichweite von mehr als 130 km an. Mit Hilfe einer speziellen App konnte der Bordcomputer ausgelesen und der Zustand der 88 Batteriezellen bestimmt werden. Ergebnis: alles ok. 

Hier war schlicht das Batteriekontrollsystem (BMS – Battery-Management-System) durch die vielen Teilladungen nicht korrekt kalibriert. Hintergrund: Das BMS misst laufend die Spannung der Batteriezellen sowie den ausgehenden und eingehenden Strom und errechnet daraus die Gesamtkapazität und die Reichweite. Durch viele Teilladungen kann es zu Abweichungen vom Realwert kommen. Dies lässt sich durch wenige vollständige Ladevorgänge meist wieder korrigieren. Der reale Kapazitätsverlust durch Alterung und Nutzung der Zellen beträgt ein bis zwei Prozent pro Jahr.

Im Alltag und unter verschärften Bedingungen, teils strenger Frost, zeigt sich der Wagen im besten Zustand. Sämtliche Komponenten arbeiten einwandfrei und zuverlässig, ob in der Stadt, auf Landstraßen oder kurzen Autobahnstrecken. Dies gilt auch für die beiden verbauten Ladesysteme (Wechselstrom und Gleichstrom). Bei Minus-Temperaturen und mit aktivierter Heizung sind knapp 80 bis 100 km Reichweite möglich – für meinen Alltag und den der Familie mehr als ausreichend. Im Vergleich zu reichweitenstärkeren Neufahrzeugen, z.B. VW eUP!, Renault Zoe ZE50 oder VW ID.3, muss man nur daran denken, das Auto möglichst nach jeder Fahrt an der Wallbox anzuschließen, um immer mit einer gut gefüllten Batterie starten zu können.   


Fazit: Wer kostengünstig in die Welt der Elektromobilität starten möchte, der kann sich in den bekannten PKW-Gebrauchtportalen umschauen. Dort findet man z.B. den genannten Citreon C-Zero und die baugleichen Modelle (Mitsubishi i-MiEV und Peugeot iON) bereits ab unter 5.000,- Euro.



Abb.: Screenshot Mobile.de, Stand 01/2021


Als weitere mögliche Kandidaten können der Nissan Leaf I und die ersten Versionen des VW eUP! sowie des e-Golfs genannt werden. Auch die frühen Versionen der inzwischen sehr stark nachgefragten Renault Zoe gehören sicher dazu.

Sollen wir dazu ähnliche Alltagstests durchführen? Schreibt uns doch – wir sind gespannt auch Eure Interesse an gebrauchten Elektroautos. 


Weiter zu Teil 2

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