Diese Website verwendet Cookies, um Ihr Surferlebnis zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.   Erfahren Sie mehr.
Zustimmen

Recycling und Rücknahme: Wie umweltfreundlich sind Photovoltaikanlagen wirklich?

Recycling und Rücknahme: Wie umweltfreundlich sind Photovoltaikanlagen wirklich?

23.12.2015

Können PV-Module umweltfreundlich entsorgt und recycelt werden? Wie funktioniert die Rücknahme?

Die Antwort von E.ON Solar Experte Matthias Krieg: Erneuerbare Energien verbinden wir automatisch mit den Eigenschaften nachhaltig und umweltfreundlich. Solarstrom schont mittelfristig nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Umwelt, da für die Stromproduktion keine fossilen Brennstoffe benötigt werden und so CO2-Ausstoß vermieden wird. Doch wie umweltschonend sind Photovoltaikanlagen am Ende ihrer Laufzeit? Können PV-Module auch umweltfreundlich entsorgt und recycelt werden, oder produzieren wir nur neue Müllberge?


Solarmodule halten länger als nur 20 Jahre

Die Energiebilanz von Solarmodulen ist in jedem Falle positiv: Das Fraunhofer-Institut bescheinigt, dass bei der durchschnittlichen Sonneneinstrahlung in Deutschland eine heute gefertigte Solaranlage nach etwa 2 Jahren die Energie produziert hat, die zu ihrer Herstellung aufgewendet wurde. Die gewöhnliche Lebensdauer der Solarmodule wird auf 20 bis 30 Jahre geschätzt. Weil Photovoltaik aber eine noch sehr junge Technologie ist, gibt es erst wenige Langzeitstudien.


Ein Beispiel aber zeigt anschaulich die Beständigkeit der Solarstromerzeugung: Die älteste noch in Betrieb befindliche Photovoltaikanlage Deutschlands steht auf dem Dach der Universität Oldenburg. Ihre Leistungsfähigkeit wird vom dortigen Energielabor kontrolliert. 1976, zu Zeiten der Ölkrise in Deutschland, nahmen die Solarmodule ihre Arbeit auf, und sie laufen bis heute. Produziert wurden die Module übrigens von einem Konsortium aus AEG und Telefunken - Firmen, die heute beide nicht mehr bestehen. Die Produkte haben ihre Hersteller jedoch überlebt. 2011, nach 35 Jahren Betriebszeit, untersuchte das Labor die Solarmodule. Die Forscher waren selbst erstaunt: Sowohl die Nennleistung als auch der Wirkungsgrad der Module sank in dieser Zeit um lediglich 4 %!


Wodurch wird die Lebensdauer von Solarmodulen überhaupt beschränkt? Der photovoltaische Effekt, die Umwandlung von Sonnenlicht in elektrische Energie, unterliegt eigentlich keinem nennenswerten Verschleiß. Die Silizium-Solarzellen müssen jedoch durch Folien, Glasabdeckung und einen Aluminiumrahmen vor äußeren Einflüssen geschützt werden. Weil diese Materialien verwittern oder brechen können, sind sie die eigentlichen Schwachstellen beim Modul.


Solarmodule können also mehrere Jahrzehnte laufen. Die Hersteller selbst geben dem Käufer in den meisten Fällen eine 10-jährige Produktgarantie und eine 20-jährige Leistungsgarantie. Üblich ist das Versprechen, dass die Modulleistung nach 20 Jahren noch mindestens 80% beträgt. Das heißt, auch nach Ablauf der Einnahmen aus der gesetzlichen Einspeisevergütung des EEG ist es wahrscheinlich, dass eine Photovoltaikanlage für den Betreiber Strom produziert.

 

Fachgerechte Entsorgung ist eine Voraussetzung für KfW-Förderung

Was aber passiert mit den Modulen, wenn sie eines Tages doch abmontiert werden? Immerhin gibt es inzwischen in Deutschland 1,5 Mio. Photovoltaikanlagen. Einige Module der ersten Generation werden mittlerweile entfernt oder ausgetauscht. Gedanken zu einer umweltgerechten Entsorgung werden also wichtiger, um den positiven Effekt der Solarstromerzeugung nicht nach Ende der Lebenszeit zu gefährden.


Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) verlangt ebenso bereits seit einigen Jahren zur Förderung der Finanzierung von Photovoltaikanlagen vom Antragssteller eine Vereinbarung mit dem Anlagen- oder Modulhersteller zur unbedingten, kostenfreien Rücknahme und ordnungsgemäßen Entsorgung aller gebrauchten Module.


Um die Entsorgung der Solarmodule zu regeln und Abfall weitgehend zu vermeiden, wurde im August 2012 die bestehende EU-Richtlinie zur Abfallentsorgung von Elektro- und Elektronik-Altgeräten WEEE (Waste of Electrical and Electronic Equipment) um das Recycling von Photovoltaikprodukten erweitert. Eine Überführung in ein nationales Gesetz steht in Deutschland allerdings bisher noch aus. Mit Inkrafttreten wären die heimischen Modulhersteller und Importeure dann gesetzlich verpflichtet, die Sammlung, das Recycling und die Finanzierung der Abfallbeseitigung zu gewährleisten, individuell oder innerhalb eines kollektiven Programms. Bis zum Zeitpunkt der gesetzmäßigen Verbindlichkeit kümmern sich die Akteure freiwillig um die Rücknahme der Module.


Solarbranche organisiert selbstständig das Recycling ihrer Produkte

Die europäische Photovoltaikindustrie gründete im Jahr 2007 PV CYCLE, ein freiwilliges Bündnis, um die Rücknahme und Verwertung der Altmodule zentral für seine Mitglieder zu organisieren. Es wurden Sammelstellen eingerichtet, Transporteure zertifiziert und Recyclingbetriebe ausgewählt. Fast der gesamte europäische Photovoltaikmarkt ist in der freiwilligen Initiative vereint. Über 100 Sammelstellen in Deutschland haben sich PV CYCLE angeschlossen. Mehr als 11.000 Tonnen Material wurde bis heute zurückgenommen und umweltgerecht recycelt.


Photovoltaikanlagenbetreiber können Module der aktuellen PV CYCLE-Mitglieder nach Ablauf der Lebenszeit oder auch beschädigte Module zu einer Sammelstelle in der Nähe bringen und kostenlos abgeben. Welche Marken das sind und wo die nächste Sammelstation ist, erfährt man von PV CYCLE. Auf deren Webseite können Sie sich alle notwendigen Formulare herunterladen. Ab 80 Modulen wird auch ein kostenloser Abholservice vor Ort angeboten.


Mehrere Hersteller, wie z.B. First Solar, Solarworld und Solarwatt haben darüber hinaus individuelle Rücknahmeprogramme ins Leben gerufen. Käufer wenden sich hier direkt an die Herstellerfirmen. Bei allen von E.ON angebotenen PV-Modulen ist die Rücknahme je nach Hersteller über diesen oder PV CYCLE geregelt.  


Nach der Rücknahme werden die Module in zentralen Wiederverwertungsbetrieben dann in ihre Einzelteile zerlegt. In modernen Recyclinganlagen lassen sich so bis zu 100% der Materialien aus den Altmodulen zurückgewinnen. Die verschiedenen Photovoltaiktechnologien sind dabei alle fürs Recycling geeignet. Das liegt wohl auch daran, dass im Solarmarkt von Anfang an die ganze Wertschöpfungskette von Wirtschaft und Politik gut durchdacht wurde: Weil die Hersteller auch die Verantwortung für die Abfallbeseitigung tragen, hat die Solarbranche ein großes Interesse daran, ihre Produkte umweltfreundlich zu gestalten.


Photovoltaikanlagen schonen also unser Klima nicht nur durch die Solarstromproduktion; auch die verbauten Materialien belasten die Umwelt nicht.

Artikel kommentieren
Beitrag kommentieren
Hier können Sie Ihre Kommentierung eintragen. Achten Sie darauf, dass alle Inhalte in diesem Bereich öffentlich sind. Bitte posten Sie keine persönlichen Daten.
Hier können Sie Ihre Kommentierung eintragen. Achten Sie darauf, dass alle Inhalte in diesem Bereich öffentlich sind. Bitte posten Sie keine persönlichen Daten.

😄
Letzte Artikel