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Wir sind Jamaika – na ja fast

Wir sind Jamaika – na ja fast

Was sie über die Karibikinsel noch nicht wussten

Die Tage werden kürzer, das Tageslicht weniger und wir: Nähern uns dem sonnigen Jamaika an, zumindest was die Regierungs-Koalition angeht. Doch was macht den Inselstaat eigentlich abseits des politischen Geschehens aus? Unser Beitrag dazu: Ein kleiner Überblick über die Besonderheiten der Karibikinsel.

Fangen wir mit unseren Gemeinsamkeiten an: Sowohl Jamaika als auch Deutschland haben die Farbe schwarz in der Nationalflagge. Bei uns geht das Schwarz zurück auf die Uniformen der Soldaten in den Befreiungskriegen gegen Napoleon, auf Jamaika soll es die harte Vergangenheit symbolisieren. Das Grün steht dort für die Hoffnung, das Gelb für die Bodenschätze des Landes. Wichtigster Rohstoff Jamaikas ist allerdings Bauxit, ein Aluminiumerz, das nicht so wirklich gelb aussieht, aber immerhin zwei Drittel der Exporteinnahmen ausmacht. Nebenbei ist die Insel übrigens der weltgrößte Exporteur von Piment. Das Gewürz kennen wir hauptsächlich aus der Weihnachtsbäckerei. Riecht also für uns eher nicht nach Karibik. Und reich wird man damit als Exportnation auch nicht.

Was sie über die Karibikinsel noch nicht wussten

So, ab hier wird es schwieriger mit den Gemeinsamkeiten. Immerhin: Beide Länder sind große Bobfahrer-Nationen. Während Deutschland die Weltmeister-Titel im Eiskanal quasi abonniert hat, wurde die erste jamaikanische Bob-Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Calgary 1988 durch den Kino-Film „Cool Runnings“ weltberühmt. Jamaika hatte damit als erstes Tropenland überhaupt an der Winter-Olympiade teilgenommen und das seitdem fast durchgehend beibehalten. Aber bitte - kein Grund sich lustig zu machen: Schnell sind die Jamaikaner nämlich definitiv, ob mit oder ohne medikamentöse Hilfe sei mal dahingestellt. Von den Goldmedaillen und Weltrekorden von Sprinter-Stars wie Usain Bolt können wir jedenfalls nur träumen.

Was sie über die Karibikinsel noch nicht wussten

Das jamaikanische Wetter macht es den Leichtathleten aber auch nett: Es gibt nur zwei ordentliche Regenzeiten – im Mai/Juni und von September bis November – dazu eine durchschnittliche Tagestemperatur um die 30 Grad und übers Jahr hinweg 8,2 Sonnenstunden pro Tag, gut dreieinhalb mehr als bei uns. Umso erstaunlicher, dass die 2,7 Millionen Inselbewohner die Solarenergie gerade erst langsam für sich entdecken. Energie kommt auf Jamaika bislang nämlich zu 90% aus der Verbrennung von Erdöl, und das muss komplett importiert werden. Das belastet nicht nur die Außenhandels-Bilanz enorm, sondern auch den Geldbeutel der Insulaner. Strom ist dort nämlich weit teurer als in anderen Karibik-Staaten. Das könnte den magischen Schwund von etwa einem Viertel der Energie erklären – vom Kraftwerk bis zur Steckdose. Zehn Prozent seien technisch bedingt, sagt das Energie-Ministerium, der Rest schlicht Diebstahl.

Der Plan der Regierung – sozusagen die Energiewende auf jamaikanisch: 2030 sollen 30 Prozent des Energieverbrauchs aus regenerativen Quellen, also Sonne, Wind, Wasser und Biomasse kommen. Könnte klappen; bis jetzt sind es schon 10,5 Prozent, jedes Jahr kommen große Wind- und Solarparks dazu. Biomasse, das bedeutet auf Jamaika übrigens hauptsächlich „Bagasse“, also faserige Pflanzenreste aus der Zuckerrohrindustrie. Davon hat die Insel ja auch reichlich, womit wir schon bei den schönsten Klischees wären: Rum, Reggae, Rastalocken, Marihuana. Letzteres ist übrigens verboten, was der Verbreitung bislang nicht wesentlich entgegensteht.

Was sie über die Karibikinsel noch nicht wussten

Aber Jamaika ist auch die Insel mit der größten Kirchen-Dichte weltweit, Heimat von mehr als 200 Orchideen-Sorten und einer speziellen englisch-kreolischen Mischsprache: dem Patois oder Patwa. Und der Jamaikaner isst Knödel, „Dumplings“! Noch eine Gemeinsamkeit? Na ja – Dumplings haben nichts mit Kartoffeln zu tun und werden frittiert oder gekocht. Dazu gibt es zum Frühstück (!) gern Saltfish und Ackee, also getrockneten, gesalzenen Kabeljau mit einer jamaikanischen Frucht gekocht, die in Konsistenz und Geschmack an Rührei erinnert. Doch keine Gemeinsamkeit.

Was sie über die Karibikinsel noch nicht wussten

Politisch gesehen geht es in der jamaikanischen Demokratie wesentlich einfacher zu als bei uns: Es gibt dank Mehrheitswahlrecht nur zwei Parteien im Parlament. Koalitionen sind also völlig unbekannt. Für die Verhandlungen hierzulande und die anschließende Regierungsarbeit könnte sich ein fröhliches jamaikanisches „Jah Mon“ bewähren, das man überall auf der Insel hört. Es heißt so viel wie „Aber sicher, klar, gut“.

Energiewende auf Jamaikanisch

  1. Rund 2,8 Milliarden kWh Energie verbrauchen die Jamaikaner pro Jahr, etwa ein Drittel davon benötigt die Aluminiumindustrie.
  2. 97% der Haushalte sind ans Stromnetz angeschlossen. Allein zwischen 2010 und 2014 sind die Strompreise um fast 50% gestiegen.
  3. Das Land ist völlig dem schwankenden Ölpreis unterworfen. 2010 z.B. überstiegen allein die Kosten für Erdöl-Importe den kompletten Export-Wert.
  4. Bis 2030 sollen nur noch 30% der Energie aus Erdöl gewonnen werden, weitere 40% aus Flüssiggas, die restlichen 30% aus erneuerbaren Quellen. 300 Millionen US-Dollar sollen dafür investiert werden – vor allem von ausländischen Geldgebern.

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