Planstadt Masdar City weist den Weg zur Energiezukunft
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Masdar City – Ökostadt der Superlative

Masdar City – Ökostadt der Superlative

Leise, grün und am besten schlau und vernetzt: So stellen wir uns das urbane Leben der Zukunft vor. Bereits heute arbeiten Experten und Designer an verschiedensten Hightech-Konzepten für smarte Städte, um das Leben einfacher, schöner und nachhaltiger zu gestalten. Eine visionäre Idee für solch eine Utopie liefert Masdar City, eine Planstadt in der Wüste der ölreichen Vereinigten Arabischen Emirate, die auf weitgehende Energieautonomie, Elektromobilität, schattenspendende Architektur und Kühlung aus der Erde setzt.

Der Sommer ist glühend heiß in den Emiraten. Über 50 Grad zeigt das Quecksilber an einem Junitag. „Aus einem Gebäude zu gehen fühlt sich an, als ob dir jemand mit dem heißen Föhn ins Gesicht bläst“, sagt Susanne Bürger. Die Chefmathematikerin eines großen deutschen Versicherungs-Konzerns ist regelmäßig in den Arabischen Emiraten und hat Masdar City mehrfach besucht. „Das Bemerkenswerte ist: In Masdar City ist es deutlich kühler und angenehmer als in Abu Dhabi.“ Geschuldet ist das einer durchdachten Bauweise, die traditionelle arabische Elemente mit moderner Technologie verknüpft. Doch das ist nicht der einzige Aspekt, der Masdar City bemerkenswert macht.

Ökostadt der Superlative

Ökostadt der Superlative

Rund sechs Kilometer südwestlich des Abu Dhabi Internetional Airport entsteht seit 2008 eine Ökostadt der Superlative: Masdar City soll auf einer Fläche von sechs Quadratkilometern Platz zum Leben, Forschen und Arbeiten bieten. Das Ziel des gigantischen Projekts: eine nachhaltige Stadt, die auf erneuerbare Energien setzt und dabei so wenig Müll, Qualm und CO2 wie möglich produziert. Den Strom bezieht die Stadt – „Masdar“ bedeutet auf Deutsch: „Quelle“ oder „Ursprung“ – aus Wind- und Solarkraft. Ein gigantischer Solarpark mit einer Produktionskapazität von 17.500 Megawattstunden versorgt die Stadt mit Strom. Ergänzt wird er von einem Kranz aus Windkraftanlagen rund um die Stadt. 15.000 Tonnen CO2 können allein mithilfe dieser Technologie eingespart werden, sagt der „City Director“ der Stadt, Anthony Mallows. „Um die Erderwärmung in den Griff zu bekommen, müssen wir lernen, CO2 freie Städte zu entwickeln. Masdar City kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten.“ Zumindest – das sollte an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben – die Teile Masdars, die bislang fertig gestellt sind. Masdar ist noch immer eine große Baustelle inmitten der Wüste – mit einem funktionierenden Nukleus allerdings. 176.000 Quadratmeter Fläche sind gegenwärtig bebaut, weitere 740.000 Quadratmeter sollen in den kommenden fünf Jahren fertig gestellt sein, teilt die Stadtverwaltung mit.

Gegenentwurf zu gigantischen Luxus-Türmen

Um den Energiebedarf in Masdar City möglichst gering zu halten, orientieren sich die Planungsteams rund um den britischen Architekten Norman Foster auch am Vorbild traditioneller arabischer Siedlungen. Und liefern damit nebenbei einen architektonisch hoch spannenden Gegenentwurf zu den gigantisch hohen Luxus-Türmen, die das Stadtbild arabischer Metropolen ansonsten prägen. „Die Wände der Häuser in Masdar sind nach oben hin schräg gebaut, damit sie mehr Schatten spenden“, sagt Susanne Bürger. Auch die Balkone, die um 45 Grad versetz sind und den Häusern den Anschein gigantischer Tannenzapfen verleihen, sorgen für zusätzlichen Schatten – die Temperatur in Masdar City liegt etwa zehn Grad unter der in Abu Dhabi. Klimaanlagen werden dadurch zwar nicht überflüssig, ihr Einsatz kann aber deutlich reduziert werden. Enge Gassen, schattenspendende Architektur, niedrige Häuser und Stadtmauern sollen den heißen Wind aus Masdar City halten.

Von traditioneller Baukunst lernen

Von traditioneller Baukunst lernen

Apropos Wind: Seit Jahrhunderten kennt die arabische Baukunst Windtürme. Diese Bauwerke fangen die Luftzirkulation in der Höhe ein und lenken sie, leicht gekühlt, nach unten in die engen Gassen. Dieses Vorbild fand ebenfalls Eingang in die Stadtplanung: Der Windturm in Masdar City ist 45 Meter hoch und steht auf einem zentralen Platz. Die angenehme Brise aus der Höhe wird zusätzlich mit Wassernebeln gekühlt, sodass auf den Plätzen ein angenehmeres Klima vorherrscht. Mit solarbetriebenen Entsalzungsanlagen wird Meerwasser aufbereitet und in die zahlreichen städtischen Springbrunnen gepumpt. Tiefe Brunnen, die sich ebenfalls schon in alten arabischen Siedlungen bewährt haben, bringen zusätzliche Kühle aus dem Inneren der Erde in die Stadt, Sonnensegel und moderne Dämmstoffe schirmen die Hitze ab.

Autofreiheit als Ziel

Masdar City möchte Autoverkehr so weit wie möglich aus der Stadt halten. Mit einem intelligenten öffentlichen Verkehrssystem will die Stadt für Bewohner, Arbeitgeber und Touristen eine attraktive Alternative anbieten: Wer die Stadt von außerhalb besucht, stellt das Auto an einem der öffentlichen Parkhäuser am Stadtrand ab und fährt mit dem sogenannten Personal Rapid Transit (PRT) in die Innenstadt. Dabei handelt es sich um führerlose, spurgeführte Kabinen mit Elektromotor, die im Untergrund der Stadt fahren. Die Gondeln lassen sich auf bis zu 1.500 Ziele innerhalb der Stadt programmieren und folgen keinem Fahrplan, sondern den Wünschen der Passagiere. Die Kabinen werden an Haltestellen beladen oder bestiegen. In Fahrt bewegen sie sich mit bis zum 40 km/h über im Boden eingelassene magnetische Leitschwellen. Masdar City plant sein Verkehrssystem auf drei Ebenen: Im Untergrund fährt der PRT, der auch den Transport von Waren und Konsumgütern ermöglicht. Auf der erdgeschossigen Ebene sollen sich in Masdar City in erster Linie Fußgänger und Fahrräder bewegen, eine Hochbahn soll das Verkehrssystem in Zukunft auf einer weiteren Ebene komplettieren.

Noch ist das Ziel nicht erreicht

Das Ziel, Heimat für 50.000 Menschen und 40.000 Arbeiter zu sein, soll im Jahr 2030 erreicht sein. Rund 2.500 Menschen arbeiten derzeit in Masdar. Schon heute  haben sich zahlreiche Firmen angesiedelt, auch große europäische Konzerne haben in der Planstadt ihre Niederlassungen. „ Masdar City wird in erster Linie Geschäftsleuten bevölkert“, sagt Susanne Bürger. Der Grund ist mit Sicherheit die gute Anbindung an den Flughafen. Zum anderen haben die Stadtplaner aber ein angenehmes und lebenswertes Ambiente geschaffen. „Im Vergleich zum Umland oder zu Abu Dhabi ist es in Masdar gut zehn Grad kühler. Die Häuser sind faszinierend, der Mix aus arabischen Ornamenten und modernen Architektur ist einzigartig“, sagt Bürger. Auch die Idee der energetischen Autonomie ist faszinierend. Das Konzept scheint also aufzugehen – und wird mit Sicherheit eine ganze Menge Nachahmer auf der ganzen Welt finden.

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