• MSIE [1-9][^0-9]
  • Ihr Browser wird nicht voll unterstützt.
  • Sie benutzen eine Version Ihres Browsers, die nicht vom Portal „Mein E.ON“ unterstützt wird. Daher ist ein Login leider nicht möglich.

    Um das Portal nutzen zu können, führen Sie bitte ein Browser-Update durch oder benutzen Sie einen anderen Browser.

     

  • Schließen

„Nach zehn Milliarden Jahren ist Schluss“

„Nach zehn Milliarden Jahren ist Schluss“

Ein Gespräch über die Mysterien der Sonne

Was ist Weltraumwetter? Warum verpufft dieser brennende Gasball eigentlich nicht in einer riesenhaften Explosion? Und was hat es mit den Sonnenstürmen auf sich? Wir haben Professor Lothar Oberauer von der Technischen Universität München nach dem Mysterium Sonne gefragt. Und in dem Gespräch sogar eine Erklärung bekommen, warum Menschen an Horoskope glauben.

Welches Sternzeichen sind Sie?

Jungfrau.

Haben Sie eigentlich Verständnis für Menschen, die an Horoskope glauben?

Ja, weil der Sternenhimmel die Menschheit schon immer fasziniert hat – und weil ein gewisses Maß an Irrationalität zum Wesen des Menschen gehört.

Im Zentrum unseres Sonnensystems schwebt ein Ball aus brennendem Gas. Bitte erklären Sie uns: Warum verbrennt dieser Ball nicht einfach und ist weg?

Der Gasball verbrennt wegen seiner enorm großen Masse sehr langsam. Dabei wird Wasserstoff zu Helium fusioniert. Aber nach etwa zehn Milliarden Jahren ist der Wasserstoff verbraucht.

Kommen wir zu einem weiteren Mysterium: dem Zusammenhang der Sonne mit der Vorhersage des Weltraumwetters. Weltraumwetter – was ist das? Und wie sagt man so etwas voraus?

Das Weltraumwetter wird durch den Sonnenwind gemacht. Er besteht aus Teilchen, im Wesentlichen aus Wasserstoffkernen, den sogenannten Protonen, und Elektronen. Sie werden in Auswürfen von der Sonnenoberfläche emittiert und können unsere Erde erreichen. Die Polarlichter auf der Erde sind Zeichen dieser Sonnenaktivität.

Kann uns so ein Sonnenwind auf der Erde gefährlich werden?

Die von der Sonne emittierten Teilchen können uns nicht direkt gefährlich werden. Allerdings können extrem starke Sonnenstürme durchaus den Funkverkehr stören oder sogar lahmlegen. Dies ist in der Vergangenheit bereits einige Male passiert.

Leuchtend orange erscheint die Sonne im Weltall

„Der Sternenhimmel hat die Menschheit schon immer fasziniert. Und ein gewisses Maß an Irrationalität gehört zum Wesen der Menschen.“

Nun hat die Sonne ja auch manchmal Flecken. Diese Sonnenflecken tauchen regelmäßig alle elf Jahre auf. Was sind das für Flecken – und warum alle elf Jahre?

Sonnenflecken sind dunkle Flecken auf der Sonnenoberfläche. Sie entstehen durch lokale Störungen des Magnetfelds an der Sonnenoberfläche. Diese Störungen hemmen den Wärmetransport vom Innern an die Oberfläche, sodass lokal die Oberflächentemperatur sinkt. Diese lokalen Störungen erscheinen daher dunkler als die ungestörte Umgebung. Der elfjährige Zyklus ist noch nicht vollständig verstanden. Es gibt auch immer wieder Abweichungen davon. Auch die Amplituden können sehr variieren. Was man weiß, ist, dass die Periodiziät mit einem Wechsel der Polarität der Magnetfeldstörungen einhergeht.

Koronale Massenauswürfe sind gewaltige Eruptionen, die sich weit oben in der Korona ereignen. Warum stehen diese – banal gesprochen: Explosionen – in Zusammenhang mit den Sonnenflecken?

Weil sie durch die Magnetfeldstörungen erzeugt werden. Diese verändern sich zeitlich, und dadurch entstehen große elektrische Felder, in denen die Protonen und Elektronen auf hohe Energien beschleunigt werden.

Wer ist Professor Lothar Oberauer?

Professor Dr. Lothar Oberauer unterrichtet am Physik-Department der Technischen Universität München. Sein Forschungsgebiet ist die experimentelle Astroteilchenphysik. Bei unserem Gespräch hat sich Professor Oberauer als profunder Kenner der Sonne gezeigt, der sein tiefes Wissen Gott sei Dank auch auf Grundkursniveau vermitteln kann.

Professor Lothar Oberauer von der TU München

Wenn ein koronaler Massenauswurf einen Ring um die Sonne bildet und einen Lichthof erzeugt, bewegen sich Unmengen heißen Gases auf die Erde zu. Was passiert dabei?

Die Teilchen werden wie oben beschrieben beschleunigt und rasen in das Weltall hinaus. Ein kleiner Teil dieser Strahlung trifft die Erdatmosphäre. Durch das Erdmagnetfeld werden die elektrisch geladenen Teilchen auf die Pole der Erde abgelenkt. Dabei werden Moleküle der Atmosphäre zum Leuchten angeregt, und es entstehen die Polarlichter.

Auf der Sonne funktioniert die Kernfusion ganz natürlich, hier auf der Erde ist sie nicht möglich. Warum eigentlich nicht?

Für die Fusion benötigt man ein geschlossenes Plasma geladener Teilchen bei sehr hohen Temperaturen. In Sternen wie unserer Sonne hilft dabei die gewaltige Schwerkraft, die durch die Sonnenmasse generiert wird. Auf der Erde muss man das Plasma in einem komplexen Magnetfeld geschlossen halten. Das ist technisch sehr schwierig. Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass es in Zukunft gelingt und wir die Sonnenenergie auf die Erde bringen werden.

 „Die Sonne wird sich am Ende ihres Lebens als roter Riese aufblähen und die inneren Planeten verschlucken. “

Aktuell haben wir zumindest die Möglichkeit, aus Sonnenenergie Strom zu erzeugen. Welche Elemente der Sonnenenergie nutzen wir dabei?

Die von der Sonnenoberfläche konstant ausgestrahlten Lichtteilchen, die sogenannten Photonen. Sie werden zum Beispiel in einer Photovoltaikanlage absorbiert und erzeugen dabei elektrischen Strom.

Photovoltaik-Anlagen absorbieren das Sonnenlicht

Zurück zum Anfang unseres Gesprächs: Die Sonne wird sich am Ende ihres Lebenszyklus aufblähen, bevor sie dann in sich zusammenfällt und verglüht. Wie lange haben wir bis dahin noch Zeit?

Die Sonne ist gerade in der Mitte ihres Lebens angelangt. Es wird also noch einige Milliarden Jahre dauern, bis die Fusionsreaktionen im Innern der Sonne erloschen sind.

Kann das nicht theoretisch auch viel früher, vielleicht schon morgen passieren?

Morgen wird es sicher nicht passieren. Die Sonne wird übrigens nicht „verglühen“, sondern sich am Ende ihres Lebens zuerst als sogenannter „roter Riese“ aufblähen, dabei die inneren Planeten verschlucken, um dann schließlich zu einem sogenannten „weißen Zwerg“ zu schrumpfen.

Das könnte Sie auch interessieren