David Fechner über Männer, Bärte und Friseur-Smalltalk
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Was Männer wirklich brauchen

Was Männer wirklich brauchen

Barber Shop-Besitzer David Fechner über Männer, Bärte und Friseur-Smalltalk

Wir haben uns mit einem gestandenen Mann unterhalten: David Fechner hat 2013 den ersten Barber Shop in München eröffnet. Im Interview erklärt er, wie es dazu kam, wieso nicht nur Männer zu ihm kommen und was ihn umtreibt. Obendrein gibt er nützliche Alltagstipps für alle Herren – mit und ohne Bart.

David, wie hoch ist denn der Testosteronpegel in Ihrem Laden?

Unser Geschäft ist schon relativ männerlastig. Wir waren in München auch der Erste, der das Thema Barber Shop wieder angegangen ist. Aber Frauen sind genauso willkommen. Ich bin ja schon seit 2010 selbstständig als Friseur tätig.

Wie kam es denn dazu?

Das ist tatsächlich aus eigenem Antrieb heraus entstanden. Ich trage selbst auch Bart und fand es schade, dass der Barbier in Deutschland etwas in Vergessenheit geraten ist. Ich bin der Überzeugung, alleine weil ich auch Friseurmeister bin, dass das Thema Bart und Frisur zusammengehört – das war ja auch früher schon eine Zunft.

Tradition trifft Moderne: Der Barber Shop hat einen ganz eigenen Charme.
Tradition trifft Moderne: Der Barber Shop hat einen ganz eigenen Charme.

Sie sind als Friseur gestartet und bieten jetzt beides an. Welcher Mann geht zum Barbier, wer zum Friseur?

Ich würde da gar nicht unterscheiden, da ich auch glaube, dass es in Zukunft wieder ein Handwerk sein wird, in dem die Themen ineinandergreifen. Es gibt natürlich auch Läden, die wirklich exklusiv nur etwas für Männer anbieten. Das sind momentan auch die reinen Barber Shops, die Frauen auch nicht betreten dürfen. Früher war es eine Tradition in den Salons, die Herren- und Damenbereiche strikt zu trennen.

Ist bei Ihnen aber nicht so.

Ne, wir bieten hier alles an und sind da auch stolz drauf. Für die Stimmung im Laden ist die Mischung wichtig. Da ergeben sich manchmal witzige Konstellationen auf der Wartecouch. Das ein oder andere Date ist so auch schon entstanden.

„Optisch ergibt das auch total Sinn, Bart zu tragen – ist ja durchaus gesichtsschmeichelnd.“

Jetzt Sind Sie ja schon ein paar Jahre als Barbier tätig, welche Barttrends können Sie denn erkennen?

Vor ein paar Jahren, so etwa 2013, hat diesen Hype um das Barber Shop Thema ganz klar die Mode ausgelöst. Jeder wollte einen Vollbart haben, also sehr ungewohnt voll. Etwas, was man früher einfach gar nicht getragen hätte. Und das Schöne ist, dass es jetzt über die letzten Jahre auch  akzeptiert und toleriert wird, egal in welcher Berufssparte. Optisch ergibt das auch total Sinn, Bart zu tragen – ist ja durchaus gesichtsschmeichelnd.

Können Sie den Bartträgern da draußen einen Stylingtipp mit an die Hand geben?

Das ist stark abhängig vom Typ Mensch. Im Prinzip ist das wie bei der Kleidung auch, da kann man wirklich nur direkt vor Ort beraten. Aber eines ist klar: ohne Pflege und Kontur geht nichts! Auch ein Bart braucht einen Schnitt.

Der Winter steht ja vor der Tür. Was gibt’s da zu beachten?

Mit der Mischung von warm zu kalt, mit viel Heizungsluft, neigen viele allgemein zu trockener Haut. Das Problem kennt man ja, und so ist es eben im Bartbereich, im Gesicht und auf der Kopfhaut genauso. Da gibt es verschiedene Varianten von Bartölen, wobei da zu beachten ist, dass nicht alle hautpflegend sind. Viele sind dazu geeignet das Barthaar glänzender und weicher zu machen, aber nicht jedes ist per se geeignet für die Haut. Da spielt dann auch der Hauttyp eine ganz wichtige Rolle.

„Es eignet sich nicht jede Haut für eine Nassrasur – und schon gar nicht die mit der Klinge. Das ist auch ein wichtiger Faktor, den ich versuche mit dem Kunden vorab schon zu klären.“

Stichwort Haut: da teilt sich die Männerwelt ja in zwei Lager auf: Trocken- und Nassrasur. Was ist denn jetzt tatsächlich besser?

Ganz wichtig: das ist auch hautabhängig. Es eignet sich nicht jede Haut für eine Nassrasur – und schon gar nicht die mit der Klinge. Das ist auch ein wichtiger Faktor, den ich versuche mit dem Kunden vorab schon zu klären. Man kann da gar nicht pauschalisieren, was besser ist. Klar ist das Ergebnis nach einer Nassrasur anders: die Haut ist glatter und du hast auch ein bisschen länger was davon. Wer es aber nicht verträgt wird damit auch keine Freude haben.

Worauf muss man bei der Klinge oder der Maschine denn achten?

Bei den Klingen gibt es mittlerweile schon recht viele verschiedene Produkte, auch für sensible Haut. Bei den Maschinen muss jeder selbst etwas finden. Da gibt es Unterschiede beim Trockenrasierer als solches: Ist das einer mit drei runddrehenden Blättern oder hat er eine flache Walze? Das spielt für die Haut auch schon eine Rolle.

Probieren geht also über studieren.

Genau. Meistens haben die Leute ja eh schon eine gute Einschätzung davon, wie sie selber etwas vertragen, und genauso ist es auch mit Sachen wie Aftershaves. Da ist immer Alkohol drin, einerseits ist das desinfizierend und kühlend und ich mag das erfrischende Gefühl persönlich gerne, für den anderen ist aber eher eine Lotion angenehmer.

Bei der Wahl der Pflegeprodukte spielt der Hauttyp eine entscheidende Rolle.
Bei der Wahl der Pflegeprodukte spielt der Hauttyp eine entscheidende Rolle.

Zurück zum Barber Shop: Was ist bei den Männern beliebter – Kaffee oder Bier?

Beides, das bieten wir aber schon immer an. Wir sind Dienstleister und da gehört inzwischen mehr dazu als nur ein stilles Leitungswasser zu servieren, sondern ein Bier oder gerade auch einen guten Kaffee anzubieten – der ist ja in Deutschland sowieso nirgendwo wegzudenken. Der muss dann auch schmecken und vernünftig gemacht sein. Am Ende sind es solche Kleinigkeiten, die den entscheidenden Unterschied machen können.

Was ist Ihnen, mal abgesehen vom Getränk, noch persönlich wichtig?

Gerade was die Einrichtung anbelangt sind mir alte Möbel, alte Fahrzeuge, kombiniert mit neuem Design, schon immer ein Anliegen – seit meiner Jugend. Ich steh da auf alte Tradition, und die Möbel hier habe ich auch alle mühsam zusammengesammelt, das sind alles Originale.

„Bei uns kennen sich jetzt inzwischen viele Kunden auch zufällig untereinander. Dann sitzen sie hier, trinken ihr Bier noch zusammen leer und es wird über alles diskutiert, ob über Politik, oder andere Themen, eigentlich über alles in der Welt“

Gibt es im Barber Shop eigentlich andere Gesprächsthemen als im Friseursalon?

Es ist auf jeden Fall bei mir sehr persönlich. Ich würde sogar fast sagen, dass ich mit jedem meiner Kunden abends ausgehen oder etwas trinken gehen könnte. Das ist also schon eher eine freundschaftliche Bindung als eine rein geschäftliche. Ich weiß, in welchen Ländern meine Kunden im Urlaub waren, welche Hobbys sie haben und ob es etwas zu erzählen gibt. Das ist dann schon cool, weil es nicht diesen klassischen Friseur-Smalltalk gibt.

Stolzer Besitzer: Im Barber Shop von David Fechner gibt es keinen klassischen Friseur-Smalltalk
Stolzer Besitzer: Im Barber Shop von David Fechner gibt es keinen klassischen Friseur-Smalltalk.

Das geht also über Fußball und Wetter hinaus.

Ja, das ist eher so, wie es früher beim Friseur war. Damals war das der Dreh- und Angelpunkt im Viertel, da ging man hin und jeder kannte sich. Bei uns kennen sich jetzt inzwischen viele Kunden auch zufällig untereinander. Dann sitzen sie hier, trinken ihr Bier noch zusammen leer und es wird über alles diskutiert, ob über Politik oder andere Themen, eigentlich über alles in der Welt.

Ihr Fazit aus über sieben Jahren Selbstständigkeit?

Was ich sagen kann, ist, dass es mir bis heute super viel Spaß macht und ich auch stolz darauf bin, was wir für eine Community geworden sind. Was für die Zukunft schön wäre: Wenn sich wieder viel mehr junge Leute an diesen Bereich herantrauen und wieder mehr Lust auf das Handwerk bekommen.

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