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Jungfernfahrt unter Strom

Jungfernfahrt unter Strom

Ein E-Auto-Novize beschreibt das erste Mal

Ein Gentleman genießt und schweigt. Zum Glück ist unser Autor keiner und berichtet deswegen gerne ausführlich über sein erstes Mal mit einem Elektroauto. Eine Kolumne von Maximilian Reich.

„Schatz, ich hab ein Auto“, rufe ich aufgeregt in mein Telefon.

Gerade hatte mir Herr Schick von der Auto-Niederlassung in München die Schlüssel für den C-Zero von Citroën in die Hand gedrückt, damit ich den kleinen Stromer teste. Jetzt stehe ich auf dem Parkplatz und freue mich auf die Probefahrt. Ich habe zwar seit 15 Jahren einen Führerschein, aber ein Elektroauto bin ich leider noch nie gefahren. Umso mehr brenne ich darauf, jetzt endlich loszufahren.

Autor Maximilian Reich

„Schatz, ich habe ein Auto. Wohin sollen wir fahren?“

„Also, wohin wollen wir fahren? Zum Starnberger See? Oder jagen wir das Baby über die Autobahn zum Schloss Neuschwanstein?“ – „Super. Dann können wir ja endlich zum IKEA und einen Teppich kaufen.“ Hmm. So hatte ich mir das irgendwie nicht vorgestellt.

Das Auto springt nach vorn. Extrem leise. Nur ein künstliches Sounddesign ist zu hören.

Ich drehe den Schlüssel im Zündschloss rum – es tut sich ... nichts. Eigenartig. Ich ziehe den Schlüssel noch mal raus, stecke ihn wieder rein – immer noch nichts. Ich tippe trotzdem mal aufs Gaspedal – das Auto springt nach vorn. Extrem leise. Nur ein künstliches Sounddesign ist zu hören. Als ich kurz auf die Hupe drücke, springen Fußgänger in der Hofeinfahrt erschrocken zur Seite. Sie hatten mich überhaupt nicht bemerkt.

Man bekommt ein Gespür dafür, was wie viel Strom braucht

So schleiche ich auf leisen Reifen zu meiner Freundin. Auf der digitalen Anzeige hinter meinem Lenkrad blinkt eine fette „90“. So viele Kilometer kann ich mit dem Citroën C-Zero noch fahren, bevor ich zu einer Ladestation fahren muss. Vollgepumpt schafft er 130 Kilometer. Mit jedem gefahrenen Kilometer zählt die Zahl runter, wie ein Countdown. Als ich fachmännisch an ein paar Knöpfen herumdrücke – um der Informationspflicht meinen Lesern gegenüber Genüge zu leisten –, geht die Klimaanlage an, und die Kilometerzahl springt prompt auf 78. Hoppla. Schnell schalte ich das Gebläse wieder aus. Find ich aber toll. So bekommt man ein Gespür dafür, was wie viel Strom verbraucht, und man lernt, energiesparend zu fahren.

Vor mir schaltet die Ampel auf Rot. Ich stehe neben einem Audi TT, und der Fahrer, so ein Typ von der Marke „Ich mach irgendwas mit Apps“ schaut zu mir rüber. Ich fühle mich ein kleines bisschen überlegen, weil ich die Umwelt schone und ein neuartiges Autosystem fahre. Ällabätsch. Vielleicht sitzt man in dem Citroën C-Zero deswegen auch höher? Es passt jedenfalls zu meiner Gefühlslage.

„Weil ich mit ’nem Elektroauto in die Waschanlage fahre! Wenn ich ’nen Stromschlag wollte, hätte ich heute Morgen auch einfach den Fön unter die Dusche mitnehmen können.“

„Auf keinen Fall: Da sind viel zu viele Tauben ...“

Ich ziehe mein Handy aus der Hosentasche und rufe noch mal Sophia an.
„Schatz, ich bin gleich da. Kommst du schon mal raus?“
„Kannst du nicht kurz in der Einfahrt parken und klingeln, wenn du da bist?“
„Auf keinen Fall“, sage ich.
„Wieso nicht?“
„Weil in deiner Einfahrt überall Tauben sind.“
„Und?“
„Die machen mir aufs geliehene Auto.“
„Dann fahren wir eben in die Waschstraße, bevor du es zurückbringst.“
Frauen. Keine Ahnung von Technik und Autos.
„Geeeenau. Weil ich mit ’nem Elektroauto in die Waschanlage fahre. Wenn ich ’nen Stromschlag wollte, hätte ich heute Morgen auch einfach den Fön unter die Dusche mitnehmen können.“
„Spinner“, sagt sie und legt auf.

„Meinetwegen. Dann eben: Dein Akku ist leer.“

Als wir am Nachmittag aus dem Möbelgeschäft rausgehen und den Teppich auf der Rückbank abgelegt haben, bemerkt Sophia beim Anfahren die Anzeige auf dem Armaturenbrett.
„Dein Tank ist fast leer.“
„Das heißt nicht Tank.“
„Wieso nicht?“
„In einen Tank kommt Flüssigkeit. In diesem Auto ist aber kein Benzin, sondern Strom. Es muss Akku heißen.“
„Meinetwegen. Dann ist eben dein Akku leer.“
„Hmm. Stimmt.“ Blöd. Tankstellen gibt es überall, und zur Not kann man fragen. Aber wer weiß schon, wo die nächste Aufladestation für ein Elektroauto steht?
„Da vorne“, sagt Sophia.
„Wie?“

Ein E-Auto wird mit Strom getankt

„Nicht schlecht für jemanden, der nicht mal einen Druckertreiber installieren kann“

„Na, da vorne links und dann zwei Kilometer geradeaus. Da steht eine Tank... pardon Ladestation.“ Ich kann mir nicht helfen, aber ich hab das Gefühl, ihre Stimme klingt etwas schnippisch. Tatsächlich gibt es über 100 Ladestationen in München. Bis Ende des Jahres sollen es sogar 200 sein. Fünf Minuten später stehen wir an einer davon. Konzentriert blicke ich auf die Anleitung auf dem Bildschirm und lerne, dass eine Ladestation im Grunde genauso funktioniert wie eine Tanksäule. Man steckt den Schlauch hinten in die Öffnung, drückt den Hebel herunter – fertig.
„Und?“ fragt Sophia, als ich wieder ins Auto steige.
„Lädt“, sage ich.
„So fix? Nicht schlecht für jemanden, der seinen Druckertreiber nicht alleine installieren konnte.“

„Hier steht, man darf nicht mit einem Herzschrittmacher in die Nähe einer Ladestation. Wenn du mich noch mal so erschreckst, brauche ich einen.“

Ein Elektroauto regulär aufzuladen, dauert Stunden. Man kann es aber auch an einer Schnelllade-Station aufladen. Dann dauert es nur 45 Minuten. So lange müssen wir nun im Auto warten. Während ich auf meinem Handy die neuesten Fußball-Transfergerüchte durchlese, blättert Sophia in der Bedienungsanleitung aus dem Handschuhfach.
„Ha!“, ruft sie plötzlich und hält mir das Heft unter die Nase. „Man kann eben doch mit einem Elektroauto in die Waschstraße fahren.“
„Ja, ja, ist ja gut“, sage ich und überfliege die Seite. „Und hier steht, man darf nicht mit einem Herzschrittmacher in die Nähe einer Ladestation. Wenn du mich noch mal so erschreckst, brauche ich einen.“

Als die digitale Anzeige uns darüber informiert, dass das Auto nun aufgeladen ist, ziehe ich den Schlauch heraus und blicke die Ladestation ratlos an. Ich finde einfach keinen Schlitz, in den ich Geld oder meine Kreditkarte hineinstecken kann. Die Anzeige darauf zeigt auch keinen Geldbetrag an. Unsicher steige ich wieder ins Auto zu Sophia.
„Hast du schon bezahlt?“
„Äh ... nö.“
„Warum nicht?“
„Keine Ahnung. Ich glaub, das ist umsonst.“
„Echt? Krass.“
„Ja, echt krass.“

Als ich den Wagen zurück auf die Straße lenke und davonfahre, blicke ich noch ein paar Mal in den Rückspiegel, ob da nicht doch gleich ein wütendes Männchen auftaucht, das drohend mit den Armen fuchtelt, weil ich die Zeche geprellt habe – aber da ist niemand. Cool. Jetzt gefällt mir das Elektroauto sogar noch besser.

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